Andreas Gabalier – auf der Autobahn des Lebens

Andreas Gabalier 8191Die Zeiten ändern sich. Während früher Biografien nach einer langen Karriere verfasst wurden, erlauben sich dies heute bereits Teenager-Stars, die oft gerade einmal die Volljährigkeit erreicht haben. Wobei sich die Frage stellt, was es aus den wenigen Jahren erzählenswertes gibt, das die Welt interessieren könnte? Das sieht bei Andreas Gabalier etwas anders aus. Obwohl der 1984 geborene „VolksRock’n’Roller“, der am liebsten mit seiner Steirischen Harmonika auf der Bühne steht, selbst noch recht jung ist, reichen seine Erlebnisse sowohl aus künstlerischer wie privater Sicht locker für ein viel längeres Leben.

Der heutige Mittdreißiger, dessen Biografie im Jahr 2014 von Thomas Zeidler verfasst und veröffentlicht wurde, hatte schon relativ früh prägende Momente in seinem Leben. Ohne Zweifel sind es die Selbstmorde seines Vaters und seiner Schwester, die den Mann Andreas Gabalier in seinem Handeln beeinflussten. Wobei hier die Weisheit, dass in allem Schrecklichen und Traurigem immer auch etwas Gutes stecken kann, durchaus zutrifft. Denn letztlich haben gerade diese beiden tragischen Ereignisse den Weg Gabaliers bestimmt.

Warum wählte sein Vater den Freitod?

Diese Frage stellt sich Andreas Gabalier bis heute und es gibt schlicht keine Antwort oder die Antwort bleibt für Außenstehende verborgen. Zu der ganzen Tragik kommt noch die Art des Freitodes hinzu, die sein Vater wählte. Im Jahr 2006, Andreas Gabalier jobbte zu dieser Zeit in einem Hotel am Wörthersee, ging sein Vater Wilhelm in den Garten ihres Hauses in Graz, übergoss sich mit Benzin und zündete sich an. Huberta Gabalier wurde durch die Schreie ihres brennenden Ehemanns aufmerksam und musste das schreckliche Ereignis mit ansehen. Laut den Aussagen der Familie hinterließ Wilhelm Gabalier keinen Abschiedsbrief, in dem sich etwas über die Gründe für seinen Suizid erfahren ließe. Aus dem Umfeld der Familie finden sich keine Erklärungen, was auf eine familiäre, berufliche oder finanzielle Krise als Grund hindeutet. Auch wenn die 6-köpfige Familie mit dem Gehalt des als Bauingenieur tätigen Vaters keine großen Sprünge machen konnte, so war da immerhin noch ein Erbgrundstück am Wörthersee, das noch heute der Familie Gabalier gehört.

Zwei Jahre später folgte der Freitod von Elisabeth, der jüngeren Schwester von Andreas Gabalier. Das gerade 19 Jahre alt gewordene Mädchen machte es ihrem Vater nach und wählte dieselbe Art zu sterben. Bei ihr, die den Vater vergötterte, musste nicht lange nach einem Grund gesucht werden. Sie verkraftete dessen Tod einfach nicht.

Zwischen den Begräbnissen

Nach dem Tod des Vaters versucht Andreas Gabalier, wie auch die anderen Familienangehörigen, das Ereignis zu verarbeiten. Gabalier beginnt, um die Häuser zu ziehen und schlägt in Sachen Alkohol des Öfteren über die Strenge. Später sagte er dazu, dass ihm das vermutlich mehr geholfen hat als die Behandlung durch einen Psychologen. Für ihn war es einfach nicht vorstellbar, seine geheimsten Gefühle einem Fremden anzuvertrauen. In dieser Zeit lernte Andreas Gabalier aber auch die steirische Harmonika zu spielen, die neben der Gitarre das musikalische Markenzeichen des späteren Superstars werden sollte. Die steirische Harmonika war auch das Instrument, das er zur musikalischen Begleitung seiner ersten beiden Kompositionen nutzte. Die Lieder „Mit Dir“ sowie „Steirerland“ spielte und sang er seiner Schwester Elisabeth vor und die Familie begann langsam wieder nach vorne zu sehen, als die Hoffnung auf einen Neuanfang im Jahr 2008 durch den Selbstmord Elisabeths zerschlagen wurde.

Die Erinnerung bleibt

Bis heute trägt der fröhliche und lebenslustige Volksmusiker diese Geschehnisse mit sich herum, ohne dabei seine tieferen Gefühle zu Markte zu tragen. „Das was passiert ist, wird ein Teil meines Lebens bleiben und ich musste lernen, damit umzugehen. Sie waren und sind ein Grund, warum ich heute auf oberflächliche und nichtige Dinge keinen Gedanken verschwende.“ So der Volksmusiker zu diesem traurigen Lebensabschnitt.

Nach dem Tod der Schwester bestand Andreas Gabaliers Trauerarbeit unter anderem darin, weiter zu komponieren. Dabei entstand sein erster großer Erfolg, der gleichzeitig eine Erinnerung, fast schon ein Requiem für seine geliebte Schwester war. Mit „Amoi seg’ ma uns wieder“ setzte er ihr ein musikalisches Denkmal und es machte Andreas Gabalier bekannt.

Auf Konzerten kamen die Menschen auf ihn zu und sprachen von ihrem eigenen Leid, oft mit Tränen in den Augen. Für Andreas Gabalier waren und sind solche Momente mit gemischten Gefühlen verbunden. Der sich zwar extrovertiert gebende Künstler zeigt sein Empfinden viel lieber mit seiner Musik. Mit den leisen und sehnsuchtsvollen Tönen wie in „Amoi seg’ ma uns wieder“ genauso wie in den kraftvollen und vor Lebensfreude sprühenden Hits wie „Hulapalu“.

Auf der Autobahn geboren

Es sind zum Glück nicht nur tragische Momente, die in der Vita von Andreas Gabalier zu vermerken sind. Vielmehr hatte der Künstler eine sehr glückliche Kindheit in einer harmonischen Familie, wobei sein eigenes Leben tatsächlich auf der Autobahn begann. Seine Mutter brachte ihn auf einer Kärntner Schnellstraße im Wagen der Familie zur Welt. Er konnte es wohl nicht abwarten. Aber nicht nur das, er wurde genau um 13:13 Uhr geboren. Die Unglückszahl gleich zweimal, der außergewöhnliche Geburtsort, das musste einfach zu einem ebenso außergewöhnlichen Leben führen. Eben das Leben Andreas Gabaliers, der heute mit seiner steirischen Harmonika auf den Bühnen Europas steht und die Menschen begeistert.