Einführung in die Heraldik: Wappen und Siegel
Wappen
und Siegel: Zweierlei!
Es ist wichtig, die Begriffe
"Wappen" und "Siegel" auseinanderzuhalten:
Richtig ist, daß auf Siegeln häufig Wappen dargestellt werden
und daß frühe Siegelbilder häufig in Wappen als Schildmotiv
übernommen wurden. Dennoch sind beide nicht gleichzusetzen.
Richtig ist ferner, daß die Notwendigkeit des Siegelns, z. B. bei Händlern, Bankiers, Notaren etc. die Entwicklung von Wappen in bürgerlichen Kreisen förderte. Falsch ist aber, daß nur ein Wappensiegel Gültigkeit hat - genauso gut ist eine individuelle Prägung mit kalligraphischen Initialen etc. Ein Siegel muß keine Wappendarstellung enthalten, um gültig zu sein, auch wenn die Familie ein Wappen führt.
Ein Siegel ist immer ein persönliches Identifikationszeichen, auf ein bestimmtes Individuum namentlich bezogen und wurde häufig nach dessen Tod zerstört oder unbrauchbar gemacht. Ein Siegel ist definiert durch die Identifizierbarkeit des Benutzers (Zeichen, Inschrift etc.). Ein Wappen ist ein Familienzeichen und wird von der Familie als Ganzes geführt.
Ein Siegel wird statt Unterschrift benutzt bzw. als Beglaubigungszeichen. Alle unbescholtenen Personen waren seit dem Mittelalter siegelfähig. Und ein Siegel ist damit auch in Rechtsgeschäften so personenbezogen wie eine Unterschrift. Ein Wappen dient dagegen als Erkennungszeichen.
Ein Wappen ist definiert durch großformatige Motive und Farben, die in einen Schild gesetzt werden. Beim Siegel fallen die Farben weg, dafür sind kleinformatige Darstellungen und Inschriften wichtige Mittel zur individuellen Ausführung. Siegel haben häufig individuelle Ergänzungen zum Wappen, persönliche Daten oder Inschriften, die bei Wappen nicht vorkämen. Wenn Familienwappen zur Siegelgestaltung verwendet werden, dienen die zusätzlichen Informationen der Personalisierung.
Beispiele schöner alter Siegel aus meiner Heimat:
Universität Trier, AD 1474

Die Inschrift außen lautet: "Treveris ex urbe deus complet dana sophia 1474" - Durch die Stadt Trier gibt Gott den Gaben der Weisheit Vollendung. Links St. Augustinus, rechts St. Ambrosius, in der Mitte: St. Matthias. Der Abt von St. Matthias war immer der Konservator der Universität. Schriftband unter den Figuren: "S(igillum) almi studii Treverens(is)". Der optisch linke Wappenschild ist der des Erzstiftes Trier, der optisch rechte ist das Stadtwappen Trier, eine Petrusfigur.
Trier, Erzbischof Franz Georg von Schönborn (AD 1729-1756)

Fast das gesamte Siegelbild wird ausgefüllt von einem opulenten Schönborn-Wappen mit Wappenzelt, Fahnen, Schildhaltern, Konsole und dem eigentlichen Wappen, das aus drei Ebenen besteht. Der Hauptschild zeigt alle Ansprüche der Familie Schönborn, der Mittelschild zeigt die kirchlichen Ämter (Trier, Worms, Ellwangen und Prüm), und der Herzschild ist das eigentliche Schönborn-Stammwappen. Eine ausführliche Erklärung der Schönborn-Wappen findet sich in der Photosammlung.
Trier, Erzbischof Johann VII von Schönenburg (AD 1581-1599)

Ein phantastisches Renaissance-Siegel in länglich-ovalem Format, das in einer Thron-Architektur den segnenden Kurfürst darstellt. Unterhalb der beiden Pfosten finden wir zwei Wappenschilde, der optisch linke ist der des Hochstiftes Trier, der optisch rechte ist der mit dem Familienwappen Schönenburg. Die Umschrift nennt seine Titel: Erzbischof von Trier, Kurfürst, Erzkanzler des Heiligen Römischen Reiches.
Köln, großes Stadtsiegel von 1268

Universität Trier, artistische Fakultät, AD 1474

Balduin von Luxemburg, Erzbischof von Trier, 1308-1354 AD.

Rechts und links des thronenden Balduin die beiden Wappenschilde des Hochstiftes Trier und von Luxemburg.
Domkapitel Trier 1449 AD

Das große Siegel des Domkapitels von 1449 trägt die Umschrift: "SIMON BARIONA SIGILLUM MAIUS CAPITULI ECCLESI(A)E TREVERENS(IS)"
Universität Trier, Rektoratssiegel AD 1474

©
Copyright Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2004-2006
Impressum
Bestandteil von www.dr-bernhard-peter.de