Bernhard
Peter
Einführung
in die Heraldik: Vorwort
Wie kommt jemand dazu, sich ausführlich mit Heraldik zu befassen und einen Teil seiner Homepage dieser Wissenschaft und Kunst zu widmen? Zum einen war es das Interesse an Familienforschung, in deren Verlauf ich auf viele Bürgerwappen rheinischer Familien stieß, welches mich tiefer in dieses Fachgebiet eindringen ließ.
Vor allem aber ist es die Faszination alter Burgen und Schlösser, in denen man versucht, die Alltagskultur nachzuerleben und zu rekonstruieren, und in denen jedes Wappen ganze Geschichten und Lebensläufe erzählt, wo Wappen steingewordene kondensierte Geschichte des Ortes und der Menschen sind und Zutritt zu einer verborgenen Welt gewähren.
Das Ergebnis meiner Auseinandersetzung mit Heraldik möchte ich hiermit einem größeren Kreise zur Lektüre geben. Ich wünsche viel Spaß beim Stöbern, und ich würde mich am allermeisten darüber freuen, wenn der Funke der Begeisterung für diese alte Kunst auch in moderner Zeit auf den geschätzten Leser überspränge.
Vor allem möchte ich diese Online-Plattform auch dazu nutzen, einige der uralten heraldischen Regeln und Gestaltungsprinzipien der interessierten Leserschaft in Erinnerung zu rufen. Es ist ein Trauerspiel, wieviel derzeit an pseudoheraldischem Schrott produziert und Wappen genannt wird. Dabei kann Heraldik so schön und einfach zugleich sein, wenn man sich an die Regeln der Ästhetik hält. Gute Heraldik ist immer auch eine ästhetische Disziplin. Deshalb habe ich Wert darauf gelegt, nicht nur die trockenen Regeln zu nennen, sondern auch plakativ Gut- und Schlecht-Beispiele zu zeigen. Es handelt sich bei letzteren aus Gründen der Höflichkeit um konstruierte Beispiele. Wenn diese Seiten helfen, dafür zu sensibilisieren und den kritischen Blick zu schärfen, dann haben sie schon ihren Zweck erfüllt. Gerade in einer Zeit der Globalisierung und kulturellen Verwässerung, der Bedrohung unseres kulturellen Erbes durch Verständnisverlust und Vernachlässigung, ist es wichtig, das Bewußtsein unserer eigenen Traditionen wachzuhalten und kulturelle Ausdrucksformen auf hohem Niveau lebendig zu erhalten.
Dabei orientiere ich mich an dem zur Zeit der Niederschrift unter Heraldikern herrschenden Konsens, an dem zu unserer Zeit als gut und angemessen empfundenen heraldischen Stil, was natürlich nicht ausschließt, daß zu anderen Zeiten andere ästhetische Maßstäbe und andere Stile gegolten haben, denn jeder Stil ist ein Produkt seiner Zeit. Insbesondere in der Früh- und Spätzeit der Heraldik kam es zu Abweichungen, und viele der heute als Regeln verstandenen Gewohnheiten gab es damals noch nicht. Und auch heute werden von verschiedenen Heraldikern bestimmte Sachen verschieden eng ausgelegt.
Kernstück dieses Internetauftritts ist die Sammlung alter Wappendarstellungen, die auf über 1200 Seiten Objekte heraldischer Kunst vergangener Jahrhunderte präsentiert, Wappen an Burgen, Schlössern, Bürgerhäusern, Kirchen, auf Grabdenkmälern, Exlibris etc. Diese Datenbank wird erschlossen über ein Ortsregister und über ein Familiennamenregister. Daneben entstehen als Querverbindungen die Monographien einzelner Familien oder Personengruppen, die die zeitliche Entwicklung der Gestaltung anhand der aufgefundenen Objekte diskutieren. Diese Sammlung heraldischer Zeugnisse eröffnet den Zugang zur Geschichte der Orte, Bauwerke und Personen, denn auf ihre Art konservieren die an den Objekten heute gefundenen Wappen historische Besitz- und Herrschaftsverhältnisse, Verbindungen zwischen Familien und Genealogien sowie auch Ämter der betreffenden Personen. Heraldik an historischen Objekten - das ist visualisierte Geschichte.
Mögen also diese Seiten den Bogen spannen von der Dokumentation historischer heraldischer Darstellungen, die uns in Hülle und Fülle umgeben, über die wissenschaftliche Diskussion derselben bis hin zu auch heute noch gültigen Gestaltungsprinzipien, die die Basis einer lebendigen Tradition bilden, denn Heraldik ist nicht nur die Lehre von den Wappen, sondern auch die Lehre künstlerisch angemessener Darstellung, und damit sowohl eine Disziplin der Geschichtswissenschaften als auch eine der Ästhetik.
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Copyright Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2004-2010
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