Bernhard
Peter
Historische
heraldische Exlibris (2)
Exlibris
von Christian Bühler:
Ein heraldisches Exlibris aus
dem Jahr 1882, entworfen von Christian Bühler (1825-1898) für
Wolf Wilhelm von Tümpling. Die Radierung wurde
graviert von ''F. Homberg grav.'' Referenz: Warnecke 2235. Das
Wappen ist von Rot und Silber gespalten und zeigt zwei aufrechte,
nach innen gekehrte, innen gezähnte Sicheln in verwechselten
Farben. Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken eine wachsende
Jungfrau mit offenem Haar in silbern-rot gespaltenem Gewand, in
jeder Hand eine Sichel wie im Schild, rechts rot, links golden.
Im Siebmacher Band AnhA, S. 61, T. 35 ist das Wappen beschrieben,
leicht abweichend, dort wird die Helmzier angegeben als halb vor
sich hingekehrtes, wachsendes, grün bekränztes, rot gekleidetes
(mit silbernem Kragen und ebensolchen Aufschlägen) Frauenbild
mit fliegenden Haaren mit den Sicheln wie beschrieben. Im
Siebmacher Band BraA, S. 97, T. 59 wird die Helmzier
übereinstimmend mit diesem Exlibris silbern-rot gespalten
angegeben, allerdings gekrönt, und alle Sicheln sind abweichend
mit dem Rücken nach innen gekehrt. Im Siebmacher Band Pr, S.
420, T. 464 sowie Band Sa, S. 51, T. 59 schließlich ist
vollständige Übereinstimmung mit dem vorliegenden Exlibris zu
finden, wobei allerdings dort die Zähnung der Sicheln
unterschlagen wird. Die Familie, die im 19. Jh. viele
Militärangehörige stellte, stammt aus Thüringen, Meißen und
aus dem Vogtland. Ihr Stammgut ist Camburg im Meiningischen
(Thüringen). Das Exlibris ist unten links unter dem Rahmen aus
Stabwerk datiert und signiert.

Exlibris
von Adolf M. Hildebrandt:
Ein heraldisches Exlibris für
Walter Schneider, eine Chromolithographie (?)
nach einer Zeichnung von Prof. Adolf M. Hildebrandt (1844-1918)
aus dem Jahre 1917. Signatur AH und Jahreszahl befinden sich in
der rechten unteren Ecke. Das Wappen Schneider ist ein redendes
Wappen, denn es zeigt in Rot (hier schwarz damasziert) eine
aufrechte, offene, silberne Schneiderschere. Auf dem Helm
wachsend ein roter, kreisförmig nach vorn gekrümmter Lindenast
mit sieben grünen Blättern, einen auf dem untersten rechten,
gestümmelten Seitenast sitzenden, goldenen, flugbereiten,
singenden Vogel (Nachtigall) einschließend. Helmdecken
rot-silbern. Hier ist die Familie Schneider aus Mainz gemeint,
die im Siebmacher Band Bg9, S. 78, T. 95 erwähnt ist. Walter
Leonhard Sebastian Schneider, geb, 4.6.1878 in Bretzenheim bei
Mainz, Sohn des Architekten und Zeichenlehrers Heinrich Schneider
und der Elisabeth Werner, gest. am 22.5.1935 in Frankfurt am
Main, war Opernsänger, erst 1903-1904 in Köln am Stadttheater
und 1904-1905 in Aachen am Stadttheater und seit 1905 an der Oper
in Frankfurt am Main. Die Nachtigall ist ein kleiner
persönlicher Hinweis auf die Tätigkeit als Opernsänger. Ein
identischer Wappenschild ist übrigens als Berufswappen der
Schneider zu Basel im Siebmacher vermerkt. Die meisten anderen
Familien namens Schneider haben die Schere - so sie sie führen -
wegen deren Häufigkeit zusätzlich durch ein Beizeichen
differenziert.

Die anderen drei Wappenschilde beziehen sich auf die Lebensstationen des Wappenträgers: Das silberne Rad in rotem Feld steht für das Bistum Mainz, in dem er aufgewachsen ist. Der mittlere Wappenschild zeigt in Blau einen königlich gekrönten, golden bewehrten, von Silber und Rot neunmal geteilten Löwen mit Doppelschweif, der in der rechten Pranke ein silbernes Schwert schwingt, für das Großherzogtum Hessen-Darmstadt. Und in blauem Feld die goldene Brezel steht für seinen Geburtsort Bretzenheim, heute zu Mainz gehörend, nicht zu verwechseln mit dem Bretzenheim bei Bad Kreuznach, das zwar auch eine Bretzel, aber in anderen Farben und unter einem Schildhaupt mit Wecken führt. Walter Schneider, Mitglied im Verein Herold (7.2.1911-31.12.1927), im Exlibris-Verein Berlin und im Roland zu Dresden, ist als Initiator des "Heraldischen Stammtisches" in Frankfurt bekannt, den er gemeinsam mit Dr. Eduard Eyssen, Dr. Hanns Richter und Franz Wartenberg am 4.5.1916 gründete. Vom Eigner sind mehrere vexillologische Publikationen erschienen.
Exlibris
von Ernst Krahl:
Ein heraldisches Exlibris für
den Abt Amand (AMANDO ABBATE) vom Wiener Schottenkloster
( EX LIBRIS BIBLIOTHECAE SCOTENSIS), eine bräunlich getönte
Heliogravur von Ernst Krahl (1858-1926). Die Graphik von 1911
(ohne Jahresangabe auf dem Blatt) ist deutlich von der
Formensprache des Jugendstils geprägt. Im unteren Teil ist das
Wappen zu sehen, im oberen Teil eine Ansicht des Klosters.

Das Wappen ist gespalten, vorne in Blau ein aus grünen Bergen hervorkommender, pfahlweise gestellter, goldener Krummstab mit Sudarium und quer darüber befestigtem roten Buch mit goldenen Beschlägen (Klosterwappen), hinten auf grünem Grund unter einer aus dem oberen Schildrand hervorkommenden, goldenen, strahlenden Sonne in Silber ein in einem Buch lesender Jüngling (persönliches Abtswappen). Auf dem Schild ein gekrönter Stechhelm mit einem Adlerflug, rechts golden-blau, links silbern-blau geteilt, der Helm beseitet von einer Inful rechts und einem Abtspedum links. Vgl. Siebmacher Band Klö, S. 90, T. 101.

Exlibris
von Lorenz Rheude:
Ein heraldisches Exlibris aus
der Hand von Lorenz M. Rheude (1863-1939) von 1912 für Walter
Leonhard Sebastian Schneider, der weiter oben
auf dieser Seite schon besprochen wurde. Für ihn gibt es mehrere
verschiedene Exlibris von verschiedenen Künstlern. Die Signatur
LR befindet sich rechts oben im zentralen Feld. Die Jahreszahl
steht groß unter dem Wappen. Das Wappen Schneider zeigt in Rot
(hier golden damasziert) eine aufrechte, offene, silberne
Schneiderschere. Auf dem Helm wachsend ein roter, kreisförmig
nach vorn gekrümmter Lindenast mit acht grünen Blättern, einen
auf dem untersten rechten, Seitenast sitzenden, goldenen,
flugbereiten, singenden Vogel (Nachtigall) einschließend.
Helmdecken rot-silbern. Vgl. Siebmacher Band Bg9, S. 78, T. 95
erwähnt ist.
Die anderen sechs Wappenschilde beziehen sich auf die Lebensstationen des Wappenträgers: Der Wappenschild optisch rechts oben zeigt in Blau einen königlich gekrönten, golden bewehrten, von Silber und Rot neunmal geteilten Löwen mit Doppelschweif, der in der rechten Pranke ein silbernes Schwert schwingt, für das Großherzogtum Hessen-Darmstadt. Der Wappenschild optisch links oben zeigt in blauem Feld die goldene Brezel für seinen Geburtsort Bretzenheim, heute zu Mainz gehörend. 1903-1904 war Walter Leonhard Sebastian Schneider in Köln (Wappenschild optisch links unten, unter rotem Schildhaupt mit drei goldenen Kronen balkenweise in Silber 11 schwarze Hermelinschwänzchen (5:4:2), hier abweichend golden), 1904-1905 in Aachen (Wappenschild optisch rechts in der Mitte; Aachen führt einen schwarzen Adler in Gold, deshalb ist es hier der preußische schwarze Adler in Silber), ab 1905 in Frankfurt am Main (Wappenschild optisch rechts unten, silberner, golden bewehrter und goldengekrönter Adler in rotem Feld). Es fällt auf, daß das Stadtwappen Mainz hier anders abgebildet ist als gewohnt, mit invertierten Farben und mit rotem Schildhaupt, das liegt am Datum: Dieses Exlibris ist 1912 entstanden, vor der Wappenänderung 1915. Seit dem 12. Juni 1915 hat das Mainzer Wappen seine heutige Form mit dem silbernen Doppelrad in Rot.

Exlibris
von Carl Roschet:
Ein heraldisches Exlibris für
W. R. Staehelin aus der Schweiz, eine
Druckgraphik um 1920 von Carl Roschet (1868-1925), signiert an
den beiden unteren äußeren Ecken des Mittelfeldes. W. R.
Staehelin ist bekannt als der Autor des Wappenbuches der Stadt
Basel, Basel 1917, wobei auch dort die Zeichnungen von Carl
Roschet stammen, genauso wie beim Basler Wappenkalender 1917-1920
und die drei Bände "Basler Portraits". Wilhelm Richard
Staehelin (25.1.1892-30.10.1956) war der Sohn von Karl Wilhelm
Staehelin und Charlotte Franziska Eugenia Freiin von Enzberg. Er
wurde in Favorita (Florida) geboren, denn sein Vater war nicht
nur Postmeister, sondern auch Plantagenbesitzer, und er verstarb
in Nyon (Waadt). Der in Basel aufgewachsene Eigner war
Historiker, Heraldiker, Kunstgeschichtler und Denkmalpfleger. Und
er war 1926-1933 Leiter der Basler Denkmalpflege. Hauptsächlich
war er jedoch beruflich als freier Schriftsteller und Redakteur
tätig, von 1927-1934 auch des Schweizer Archives für Heraldik.
Als Heraldiker war er in der Schweizerischen Heraldischen
Gesellschaft seit dem Jahr 1911 Mitglied, dazu seit dem
21.12.1915 im Verein Herold. Er verfaßte neben seinen Büchern
rund 80 Artikel für das Schweizer Archiv für Heraldik. Zum
Blatt: Als Schildhalter dient eine Frau mit entblößten Brüsten
und laubbekränztem Haar, die das Wappen an der linken Helmdecke
faßt und durch das Spruchband "verfluocht syen die kazzen
so vorne lecken und hinden krazzen" auf zwei Seiten
eingerahmt wird.

Das Wappen Staehelin zeigt in Blau einen aus dem linken Schildrand kommenden, golden gekleideten Rechtsarm, der eine goldene, mit Spitzen besetzte Hiebwaffe (Morgenstern) schwingt. Auf dem Helm mit blau-goldenen Decken wachsend ein blau mit goldenem Aufschlag gekleideter Rechtsarm, der den Morgenstern wie im Schilde schwingt. Das Wappen hat sich gewandelt: Ursprünglich war es nur ein Rechtsarm mit goldenem, spitzenbeschlagenen Schlagholz wie hier, später ein goldener, gepanzerter Rechtsarm mit stählernem (silbernem) Streitkolben. Der spätere Blason lautet: In Blau ein aus dem linken Schildrand kommender, golden geharnischter Rechtsarm, der eine silberne Hiebwaffe (Streitkolben) schwingt. Auf dem Helm mit blau-goldenen Decken wachsend ein golden gerüsteter Rechtsarm, der einen silbernen Streitkolben schwingt. Im Rietstap ist das Wappen nicht enthalten, aber im Siebmacher Band Bg10 Seite: 69 Tafel: 78, in der Version des bekleideten Armes mit einem spitzenbeschlagenen Holz als Streitkolben.
Zur Schreibweise: Dia Familienzweige in Frankreich schreiben sich Stehelin, die in Basel Stähelin, was von einigen nachträglich zu Staehelin internationalisiert wurde. Hans Stehelli (gest. 1555?) aus Reutlingen ist der Stammvater der Familie, er erlangte 1520 das Bürgerrecht von Basel. Martin Stähelin (1631-1697), Goldschmied, war 1691 Oberstzunftmeister, Martin Stehelin (1665-1728) war Goldschmied und Dreizehner, Johann Heinrich Stehelin (1668-1721) war Arzt, Professor und Botaniker. Zwei weitere Botaniker hat die Familie hervorgebracht: Benedikt Stehelin (1695-1750) und Johann Rudolf Stehelin (1724-1800), gleichfalls Arzt.
Insgesamt 34 kleinere Wappenschilde umgeben das zentrale Vollwappen, darunter noch einmal das gewendete Wappen Staehelin oben in der Mitte, daneben das Wappen der von Enzberg, in Blau ein goldener Fingerring mit rotem Stein. Diese beiden Schilde stehen für die Eltern des Eigners, Karl Wilhelm Staehelin und Charlotte Franziska Eugenia Freiin von Enzberg. Optisch rechts oben erkennen wir das Wappen der Familie Imhoff. Die Imhoffs sind ein altes Nürnberger Patriziergeschlecht. Ihr Wappen zeigt in Rot einen goldenen Seelöwen, dessen Fischteil nach oben über den Kopf gebogen ist. Helmzier: Der Seelöwe aus dem Schild, auf seiner linken Pranke stehend, die Rechte nach oben gereckt. Rechts oben entdecken wir in der zweiten Reihe das Wappen König, in Blau eine goldene Krone, von einem goldenen, pfahlweise gestellten, lilienendigen Zepter durchsteckt. In der oberen Reihe optisch links ist das Wappen der Freiherren von Bülow: In Blau 14 (4:4:3:2:1) goldene Kugeln. Helmzier wäre ein goldener Pirol mit goldenem Ring im Schnabel zwischen zwei blauen, mit goldenen Kugeln belegten Büffelhörnern. Helmdecken wären blau-silbern. Die Anzahl der Kugeln auf den Hörnern wird später mit je 7 angegeben, ferner werden später die Büffelhörner vor einem goldenen Flug dargestellt. U.v.a.m.
Exlibris
von Adolf M. Hildebrandt:
Ein heraldisches Exlibris für
Martin D. Stecher, ein Lichtdruck mit Raster (?)
von Prof. Adolf M. Hildebrandt (1844-1918) aus dem Jahre 1906.
Signatur ist optisch rechts unten "AH", die Datierung
gegenüber in der anderen Ecke. Das Wappen zeigt in golden-rot
geviertem Schild zwei schräggekreuzte Stechturnierlanzen in
verwechselten Farben. Damit ist es ein redendes Wappen, denn ein
"Stechen" ist ein Lanzenstechen, eine Form des
ritterlichen Turniers. Kurios ist daran nur, daß man hier eine
symbolische Umsetzung eines bürgerlichen Wappens wählt, zu der
er vermutlich keinen Zugang gehabt hätte, denn die
Mitgliedschaft in einer Turniergesellschaft war eigentlich dem
Adel vorbehalten. Dennoch ist das Motiv als redendes Wappen
bildhaft treffend. Auf dem rot-golden bewulsteten Stechhelm mit
rot-goldenen Decken ein wachsender, naturfarbener Geharnischter
(Ritter in Stechzeug) mit roten und goldenen Straußenfedern am
Helm, eine goldene Turnierlanze in der Rechten haltend, die Linke
in die Seite gestützt. Das Wappen findet sich im Siebmacher,
Band Bg7, S. 95, T. 98 beschrieben, dort fehlt in der Zeichnung
allerdings die vertikale Spaltlinie des gevierten Schildes, und
der Text beschreibt den Schild abweichend als rot-golden geviert.
Die Familie nannte sich früher "Stecker" und kommt aus
dem Ort Horn in der Nähe der Externsteine am Teutoburger Wald.
Martin D. Stecher (1852-1930) zog als Graveur nach Chicago - auch
in dieser Hinsicht wurde der Familienname zutreffend. Er war es,
der das Familienwappen 1906 neu angenommen hatte, wobei auch die
entsprechenden Exlibris entstanden. Ein neuerer
Wappenrolleneintrag ist der in der DWR Band XVI, S. 57, Nr.
5956/64, dieser Eintrag folgt in seiner Blasonierung obigen
Angaben.

Exlibris
von Adolf M. Hildebrandt:
Ein heraldisches Exlibris für
Familie Neindorf(f), eine zweifarbige
Lithographie (?) von Prof. Adolf M. Hildebrandt (1844-1918) um
1900. Ein Eignername wird auf dem Exlibris nicht angegeben. Ein
breites Inschriftenband lautet "trew ist wildbrat". Das
Stammwappen der niedersächsischen, uradeligen Familie
Neindorf(f), die seit dem 13. Jh. das Erbschenkenamt der Herzöge
von Braunschweig innehatte und aus Neindorf im Kreis Oschersleben
stammt, ist in Rot ein silberner Zickzackbalken (ein 4 oder 5mal
eckig gezogener Balken). Die Stammhelmzier ist ein schwarzer
Hahnenfederbusch (auch als Reiherfederstutz beschrieben), die
Helmdecken sind rot-silbern. Seit dem 15. Jh. ist ein vermehrtes
Wappen mit verändertem Helmschmuck in Gebrauch, das auch hier
auf dem Exlibris Verwendung findet: Das Wappen ist geviert, Feld
1 und 4 in Rot ein silberner Zickzackbalken, Feld 2 und 3 in Blau
ein schreitender silberner oder naturfarbener Hirsch mit einer
roten Rückendecke, die mit dem silbernen Zickzackbalken belegt
ist. Die Helmzier ist jetzt auf gekröntem Helm eine (nicht,
einfach oder doppelt gekrönte) goldene Säule (hoher Hut), die
oben mit einem Pfauenfederbusch besteckt ist, zwischen zwei
auswärts gebogenen grünen oder goldenen (je nach Quelle)
Pfauenfedern. Helmdecken blau-silbern - rot-silbern. Die Familie
ist eines Stammes mit den Campe zu Isenbüttel und mit den von
Blankenburg, von Elbingerode, von Bodendick und von Harlingberg.
Sie kommt im Braunschweigischen, im Harz, im Halberstädtischen
und in Anhalt vor. Interessant ist die Aufnahme des zweiten
Wappensymbols im gevierten Wappen, welches ganz ähnlich den
Wappensymbolen der von Meding und der von Bodendiek (parallele
Motive und ebensolche Variation) ist. Auch diese führen den
Hirsch mit Rückendecke mit Zickzackbalken. Die Nachweise im
Siebmacher tauschen die Felder 1 und 4 gegen 2 und 3 aus.
Interessant und eigentlich regelwidrig ist das gemeinsame
Auftreten von Helmwulst und Helmkrone übereinander, korrekt ist
es, entweder Helmwulst oder Helmkrone zu verwenden, nicht aber
beide Elemente. Nachweise: Siebmacher Bände Pr, S. 278, T. 329,
SaA, S. 114, T. 74, AnhA, S. 42, T. 24, Reu, S. 7, T. 6.

Exlibris
von Lorenz Rheude:
Ein heraldisches Exlibris aus
der Hand von Lorenz M. Rheude (1863-1939) für Dr. iur. Josef Helmberger
aus dem Jahre 1909. Unten rechts ist es signiert und datiert
"fecit LR 1909". Die Technik ist Klischee. Das Wappen
ist ein redendes Wappen; der Name "Helmberger" wird
dargestellt als Stechhelm in Frontalansicht über einem Dreiberg.
Auf dem bewulsteten Stechhelm ein Paar übereck geteilter
Büffelhörner. Zwei weitere Wappenschilde sind im oberen Bereich
schräg einander zugeneigt, einer mit einem Panther und einer mit
Schwert und Waage der Gerechtigkeit (Jurist).

Exlibris
von Lorenz Rheude:
Ein heraldisches Exlibris aus
der Hand von Lorenz M. Rheude (1863-1939) von 1904 für Hermann Junge,
dessen Initialen man an dem Regalbord der Buchdruckerszene im
oberen Teil des Wappens erkennt. In der Mitte rechts ist es
signiert "LR". Die Familie Junge stammt aus
Rußdorf-Königshain in der Oberlausitz und verbreitete sich
über Mitteldeutschland und Bayern. Der Eigner dieses Exlibris,
Hermann Junge, war Familienarchivar und Verfasser der
Familiengeschichte Junge. Er wurde in Erlangen am 8.10.1884
geboren und wurde, genau wie seine direkten Vorfahren in vier
Generationen, Universitätsdruckereibesitzer und
Verlagsbuchhändler in Erlangen. Hermann Junge war mit Johanna
Klara Eleonore Küffner aus Neumarkt in der Oberpfalz vermählt.
Seine Tochter Anna Johanna Sigilinde Junge wurde am 23.8.1914
geboren, sein Sohn Karl Friedrich Johannes Junge am 11.11.1915,
beide zu Erlangen. Im Siebmacher findet sich das Wappen im Band
Bg13, S. 31, T. 21.

Das Wappen Junge zeigt in blauem Schilde einen silbernen Wechselzinnenbalken über einem silbernen, oben gezinnten Balken. Auf dem blau-silbern bewulsteten Helm ein wachsender, silberner, goldenbewehrter, goldengekrönter, flugbereiter Schwan, Helmdecken blau-silbern.
Am Regal der Druckereiszene findet sich ein weiterer Wappenschild. Das Erlanger Stadtwappen setzt sich aus drei Teilen zusammen: Entweder sind sie in einem halbgespaltenen und geteilten Schild vereinigt (kleines Wappen, halbgespalten und geteilt, Feld 1 in Silber ein links gewendeter, goldengekrönter und -bewehrter, rotgezungter roter Adler mit goldenen Kleestängeln und von Silber und Schwarz geviertem Brustschild; Feld 2 in Silber ein goldengekrönter und -bewehrter, rotgezungter schwarzer Adler mit goldener Halskrone, Kleestengeln und den goldenen Großbuchstaben E und S auf der Brust; Feld 3 in Blau über silberner Zinnenmauer wachsend ein doppelschwänziger, goldengekrönter, rotgezungter goldener Löwe) oder auf drei separate Wappenschilde aufgeteilt (großes Wappen). Dabei ist der sog. Altstadtschild der mit dem böhmischen Löwen über der Stadtmauer, und die beiden Adlerwappen gehören zur Neustadt, und die drei Komponenten illustrieren, daß die Stadt Erlangen 1812 durch die Vereinigung der Altstadt mit der Neustadt entstand. Seit 1835 wird das dreiteilige Wappen geführt. Hier ist nur der Altstadtschild abgebildet worden.

Exlibris
von Jean Kauffmann:
Ein heraldisches Exlibris mit
Wappen für Karl Schnyder von Wartensee (ex
libris Caroli Schnyder a. Wartensee), eine Radierung von Jean
Kauffmann (1866-1924) aus Luzern aus dem Jahre 1907. Das von von
zwei Schildhaltern gehaltene Wappen ist eher kleinteilig, dafür
in einem opulent gestalteten Rahmen untergebracht. Der optisch
rechte Schildhalter ist der Götterbote und Gott der Händler
Merkur oder Hermes, mit geflügeltem Helm und geflügeltem Schlangenstab über der Schulter.
Schloß Wartensee über dem Sempacher See ist der im Namen
anklingende Sitz der Luzerner Patrizier-Familie, der von 1647 -
1822 im Besitz der Schnyder von Wartensee war, bis der Musiker
und Komponist Xaver Schnyder von Wartensee das Anwesen an seine
Pächterfamilie verkaufte.

Das Wappen ist geviert, Feld 1 und 4 in Schwarz ein nach innen gebogener, hochschnellender geflügelter silberner Fisch (manchmal mit rotem Ring um den Hals), das ist das Stammwappen, in Feld 2 und 3 geteilt, oben in Silber ein aus der Teilung hervorkommender, einwärtsgewendeter, roter Löwe, unten in Blau zwei silberne Balken. Zwei Helme, Helm 1 (rechts): gekrönt, ein nach innen gebogener, hochschnellender geflügelter silberner Fisch, Helm 2 (links) bewulstet mit einem Paar mehrfach geteilter Büffelhörner mit einem Blattbüschel in den Mündungen.

Der Spruch im oberen Bereich "pinnis natat, pennis volat" bezieht sich auf das ambivalent sich fortbewegende Fabeltier im Wappen, den geflügelten Fisch: Mit den Flossen schwimmt er, mit den Flügeln fliegt er - wobei das Wort penna Flug, Feder, Fittich bedeutet, und pinna wohl eine dialektische Nebenform ist, die neben Feder, Fittich, Flügel auch Flosse als Bedeutung hat. In den beiden Feldern ist eine zweiteilige Stadtansicht untergebracht.

Literatur,
Quellen und Links:
Erlanger Stadtwappen: http://www.hdbg.de/gemeinden2/bayerns-gemeinden_detail.php?gkz=9562000
Deutsche Exlibris-Gesellschaft: http://www.exlibris-deg.de/
Siebmachers Wappenbücher
Staehelin: vgl. Carl Roschet, Basler Wappenkalender 1920, mit
genealogischen Anmerkungen von W. R. Staehelin
Stammbaum Staehelin: http://www.stroux.org/patriz_f/stSn_f/gSn_u.pdf - http://www.stroux.org/patriz_f/stSn_f/Sn032_f.pdf - http://www.stroux.org/patriz_f/stSn_f/Sn264_f.pdf - http://www.stroux.org/patriz_f/stSn_f/Sn067_r.pdf etc.
Siebmachers großes Wappenbuch, Sonderband H: Jürgen Arndt:
Biographisches Lexikon der Heraldiker; 1992. XXIV und 664 S. mit
zahlr. Wappenabb., Festeinband, Degener Verlag, ISBN
3-87947-109-6
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Copyright / Urheberrecht am Text: Bernhard Peter 2009
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