Bernhard
Peter
Historische
heraldische Exlibris (1)
Exlibris
Nichts ist ärgerlicher als
verliehene Bücher, die man nicht zurückerhält. Ein kleiner
Hinweis auf dem Vorsatzblatt ist da hilfreich, das Buch als
Eigentum zu markieren und den säumigen Entleiher bei jedem
Aufschlagen daran zu erinnern, daß die Geduld des rechtmäßigen
Eigentümers vom Entleiher nicht durch übermäßig langes
Besitzen überspannt werden sollte. Im Grunde genügt ein
einfacher Namenszug, doch das hat weder Stil noch lädt es zum
Verweilen des Auges ein. So hat sich eine eigene Kleinkunst
entwickelt, die Kunst der Exlibris, der Besitzkennzeichen in
Büchern, die zum Teil wahre Meisterwerke der Kupferstecher
wurden. Vielfältige Techniken sind vertreten, Tiefdruckverfahren
(Stahlstich, Kupferstich, Radierung, Aquatinta, Heliogravur
etc.), Hochdruckverfahren (Linolschnitt, Holzschnitt, radierte
Metallplatten im Hochdruck, Klischee etc.) sowie Flachstich
(Zinkflachdruck, Lithographie etc.). Exlibris waren unter
Büchersammlern eine gerne gepflegte Kultur der Besitzsymbolik,
Büchersammler wurden Mäzene der Kupferstecher, eigene
Exlibris-Gesellschaften widmeten und widmen sich dieser Kultur
der Eignerzeichen. Und heute sind Exlibris ein eigenständiges
Sammelgebiet. Insbesondere sind die früheren Exlibris häufig
heraldische Darstellungen, bei denen das Familienwappen durch
Nennung des Besitzers personalisiert wurde, denn ein Exlibris ist
ein nahezu ideales Medium, sein Familienwappen dezent und doch in
erlesener Darstellung zu führen und die Kultur der Heraldik mit
der des Buches zu verbinden. Eine Hochblüte hat das Exlibris im
ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jh, einer Zeit, aus der uns
ein außerordentlich umfangreiches grafisches Erbe überkommen
ist. Die Zahl der Exlibris aus diesem Zeitraum ist schier
unübersehbar und korreliert mit der Blüte der Buchkultur.
Namhafte Exlibris-Künstler
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Exlibris
von Adolf M. Hildebrandt:
Ein heraldisches Exlibris für
August F. Ammann, ein Kupferstich von Prof.
Adolf M. Hildebrandt (1844-1918) aus dem Jahre 1906, rechts unten
datiert und signiert. Das Wappen (in Silber ein mit drei
balkenweise gelegten, goldenen, sechsstrahligen Sternen belegter
roter Schildhauptpfahl, Helmzier ein wachsender Rumpf ohne Arme
mit goldenem Haar, dessen Kleid wie der Schild bez. ist) mit
opulenten Helmdecken wird bogenförmig umgeben von Weinreben. In
den unteren beiden Ecken befinden sich zwei weitere
Wappenschilde, her. rechts mit einem schwebenden griechischen
Kreuz (Schweiz), heraldisch links schräggeteilt
(Stadt Zürich). Die Familie Ammann aus Zürich
ist verzeichnet im Siebmacher Band Bg3, S. 57, T. 61. Uli Ammann
wurde 1386 in Zürich als Bürger angenommen. Ludwig Ammann war
1483 Stadtschreiber.

Detailausschnitt:

Exlibris
von Adolf M. Hildebrandt:
Ein heraldisches Exlibris für
Graf Karl Emich zu Leiningen-Westerburg,
"des ehem. heiligen römischen Reiches Semperfrei",
betitelt "Hausarchiv", eine Lithographie von Prof.
Adolf M. Hildebrandt (1844-1918) aus dem Jahre 1893, links unten
datiert und rechts unten signiert. Das Wappen ist als Vollwappen
mit Wappenzelt und Grafenkrone dargestellt. Das Wappen ist
geviert mit Herzschild:

Dazu gehören drei Helme:
Schildhalter zwei ungekrönte goldene Löwen. Wappenzelt mit Krone, Hintergrund mit Westerburger Kreuzchen bestreut.

Exlibris
von Adolf M. Hildebrandt:
Ein heraldisches Exlibris für
Karl Nicolai, eine Graphik von Prof. Adolf M.
Hildebrandt (1844-1918) aus dem Jahre 1900, undatiert, rechts
unten signiert. Das Vollwappen wird auf einer schwarzen Kartusche
innerhalb floraler Rahmung dargestellt. Das Wappen der Berliner
Familie Nicolai ist geviert und zeigt in den Feldern 1 und 4 in
Silber einen roten Zinnenturm, in den Feldern 2 und 3 in Grün 4
(2:2) goldene Kreuzchen. Auf dem Helm ein goldener Stern zwischen
einem roten Flug. Helmdecken rot-silbern. Ein Karl Nicolai war
1905 in Berlin Hauptmann und Mitglied der
Artillerie-Prüfungskommission. Siebmacher Band Bg7, S.: 89, T.:
92.

Exlibris
von Ernst Krahl:
Ein heraldisches Exlibris für
Carl G. Kryspin, eine Druckgraphik (Klischee)
von Ernst Krahl (1858-1926) aus dem Jahre 1894, das Adlerwappen
asymmetrisch in eine Rahmung mit zahlreichen Jagd-Attributen
gesetzt. Das Wappen zeigt in golden-blau geteiltem Schild einen
Adler in verwechselten Farben, Helmzier ein Paar Büffelhörner.

Detailausschnitte:

Exlibris
von Carl Roschet:
Ein heraldisches Exlibris für
A. Schwarz, eine Druckgraphik (Klischee) von
Carl Roschet (1868-1925) ca. um 1920, unten mit den Buchstaben
"C" und "R" signiert, mit dem Spruchband:
"Soll der nyder (Neider) zerplazzen, begib dich diner
frazzen". Das Wappen zeigt in Silber drei (2:1) mit roten
Blumenkränzen bekränzte Mohrenköpfe mit roten Lippen im
Profil, Helmzier ein wachsender Mohrenrumpf in schwarzer, mit
einem silbernen Schräglinksbalken belegter Kleidung mit
farbverwechselten Knöpfen und silbernem Kragen, im Haar einen
Kranz aus roten Blumen. Helmdecken schwarz-silbern. Das Wappen
ist ein redendes, die Mohren stehen bildlich für den Namen
"Schwarz".

Exlibris
von Carl Roschet:
Ein heraldisches Exlibris für
K. E. Reinle, eine Graphik von Carl Roschet
(1868-1925), signiert über dem "R" von Reinle, ein
"R" in einem "C". Das Wappen zeigt über
einem Dreiberg eine gesichtete, strahlende Sonne. Auf dem Helm
ein sitzendes Eichhörnchen mit einer Nuß in den
Vorderpfötchen.

Detailvergrößerungen

Exlibris
von Adolf M. Hildebrandt:
Ein heraldisches Exlibris für
Albert Graf von Schlippenbach, eine Graphik von
Prof. Adolf M. Hildebrandt (1844-1918) aus dem Jahre 1895, unten
datiert, über dem "f" von "Graf" signiert
(91 x 69 mm, Buchdruck, Witte, Bibliographie 2, 35; Thieme-Becker
17; Gutenberg 25.681; Leiningen-Westerburg 94). Das Wappen zeigt
hier in Schwarz eine pfahlweise gestellte, silberne Kette aus 2
halben und 3 ganzen Ringen. Von dem Schlippenbach-Wappen sind im
Siebmacher noch andere Versionen verzeichnet: Von Schwarz über
Silber schrägrechts geteilt, darin entlang der Teilungslinie 2
halbe und 3 ganze Ringe verwechselter Tinktur; von Schwarz über
Silber schräglinks geteilt, darin pfahlweise gestellt, 2 halbe
und 3 ganze goldene (sic) Ringe; von Silber und Schwarz gespalten
mit einer Kette von drei ganzen und zwei halben runden Gliedern
in verwechselten Farben etc., was sich insbesondere in vermehrten
Wappen als Variante wiederfindet. Helmzier hier eine silberne
Kette wie im Schild zwischen einem rechts silbernen, links
schwarzen Flug. Helmdecken schwarz-silbern. Im Westfälischen
Wappenbuch ist das Wappen exakt wie hier tingiert, nur die Kette
ist anders geformt.
Exlibris
von Jean Kauffmann:
Ein heraldisches Exlibris mit
Allianzwappen von Schwedler und von Waldthausen,
eine Radierung von Jean Kauffmann (1866-1924) aus Luzern,
"Luzern 12", zusätzlich oben im Inschriftenband
datiert auf 1912. Das Wappen Schwedler zeigt in
Blau einen schrägrechten schmalen goldenen Balken, darüber
einen goldenen Stern und darunter einen silbernen Schwan auf
silbernen Wellen. Hier ist der Schild komplett gewendet. Helmzier
ein goldener Stern zwischen einem Paar blauer Büffelhörner.
Helmdecken blau-golden. Vgl. Siebmacher Band AnhA, S. 56, T. 32
und Pr, S. 372, T. 421. Das Wappen Waldthausen
zeigt einen gespaltenen Schild, vorne eine Burg zwischen zwei
Tannen, überhöht von drei Sternen balkenweise, hinten ein
Löwe, der eine Tanne ausreißt. Auf dem Helm zwischen zwei
Büffelhörnern ein aus der Helmkrone wachsender wilder Mann, ein
mit der Rechten an den Mund geführtes Horn blasend, eine
ausgerissene, schräg über die Schultern gelegte Tanne mit der
linken Hand greifend, die Mündungen der Büffelhörner mit
Tannenreisern besteckt. Hier wird der Name sehr redend umgesetzt
mit der vielfältigen Waldsymbolik. Das Wappen weist allenfalls
nur gewisse Anklänge an das im Siebmacher gegebene Wappen
Walthausen auf (Han, S. 35, T. 36; PrE, S. 179, T. 155).

Exlibris
von Ernst Krahl:
Ein heraldisches Exlibris für
den Abt von Melk, Amando, Amandus John,
"ex libris bibliothecae mellicensis", aus der
Stiftsbibliothek Melk, eine Graphik von Ernst Krahl (1858-1926).
Über dem Abtswappen in runder Vignette eine Ansicht des Klosters
Melk auf dem Felsen über der Donau. Unten rechts signiert
"E. Krahl". Das Wappen ist geviert: Feld 1 und 4: In
Gold ein halber schwarzer Adler am Spalt. Feld 2: Ein schwebendes
goldenes Tatzenkreuz in Blau. Feld 3: Ein goldenes Zahnrad in
Blau. Herzschild: zwei in Form eines Andreaskreuzes schragenweise
übereinandergelegte silberne Schlüssel mit gemeinsamem Griff,
Stiftswappen Melk. Dieses Stiftswappen kommt erstmalig in den
Siegeln des Abtes Ottokar von Streitwiesen 1324-1329 vor. Es
bezieht sich auf die Petrusschlüssel. Die Farben haben sich
gewandelt: Erst waren die Schlüssel silbern in Schwarz, seit
etwa 1650 bis zu Abt Ulrich Hauer (1763-1785) golden in Rot oder
in Blau, dann durchgängig golden in Blau. Die halben Adler am
Spalt kamen unter Abt Berthold von Dietmayer (1700-1739)
erstmalig in das Klosterwappen und bleiben seitdem dort als
Felder enthalten. Amandus John wurde am 5.11.1867 in Kreibitz
(Böhmen) geboren, trat 1887 in das Stift Melk ein, erfuhr 1892
die Priesterweihe, war 1892-1909 in verschiedenen Pfarreien als
Seelsorger tätig, ehe er 1909 Abt des Klosters wurde. Er starb
am 5.7.1942. Er steht für eine Phase des Umbruchs in schwierigen
wirtschaftlichen Verhältnissen, Modernisierung, Gründung des
Juvenats. Auf dem gekrönten Helm ein schwarzer Adler, hinter dem
Schild schräggekreuzt Inful und Abtsstab.

Detailausschnitte:

Exlibris
von Ernst Krahl:
Ein heraldisches Exlibris für
Georg Baumgartner (Georg III, Propst 1913-1927,
gest. 1927), Propst des Augustiner-Chorherrenstiftes Herzogenburg
(Buchdruck, Witte, Bibliographie 2, 127; Thieme-Becker 21;
Gutenberg 29.648), eine Graphik von Ernst Krahl (1858-1926).
Über dem Abtswappen ein Galero mit 2x 6 (1:2:3) Fiocchi, die
Schnüre in exquisite Schlingen gelegt. Unten rechts signiert
"E. Krahl". Es handelt sich um das österreichische
Stift Herzogenburg. Das Wappen ist halbgeteilt und gespalten.
Feld 1: in Silber ein schwebendes breitendiges, rotes Kreuz
(Tatzenkreuz, für den Hl. Georg). Feld 2: in Blau der Hl. Georg.
Feld 3: Gespalten, vorne ein Korb, oben von zwei schwebenden
silbernen griechischen Kreuzen begleitet (nach Siebmacher in Rot
ein Blumenkorb für die Propstei Tirnstein, vgl. Siebmacher Band
Klö, S. 51, T. 73), hinten in Rot zwei schräggekreuzte silberne
Äste (lt. Siebmacher Band Klö, S.51, T. 73 Menschenknochen für
die Propstei St. Andrä). Helmzier ein beiderseits mit einem
Tatzenkreuz belegter Flug.

Exlibris
von Ernst Krahl:
Ein heraldisches Exlibris für
die Heraldische Gesellschaft Adler zu Wien,
eine Graphik von Ernst Krahl (1858-1926). Unten rechts signiert
"E. Krahl". Das Wappen zeigt in Gold einen schwarzen
Doppeladler. Helmzier auf gekröntem Helm ein natürlicher
Pfauenstoß. Helmdecken schwarz-golden.

Literatur, Quellen und Links:
Deutsche
Exlibris-Gesellschaft: http://www.exlibris-deg.de/
Siebmachers Wappenbücher
Siebmachers großes Wappenbuch, Sonderband H: Jürgen Arndt:
Biographisches Lexikon der Heraldiker; 1992. XXIV und 664 S. mit
zahlr. Wappenabb., Festeinband, Degener Verlag, ISBN
3-87947-109-6
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Signaturen von Künstlern und Heraldikern
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Copyright / Urheberrecht am Text: Bernhard Peter 2009
Die Abb. sind selbst angefertige Scans historischer Originale.
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