Bernhard
Peter
Die
Wappen der Markgrafen von Baden
Stammwappen
der Markgrafen von Baden
Wappen: Das
Wappen der Markgrafen von Baden zeigt in Gold einen roten
Schrägrechtsbalken. Die Helmzier sind auf gekröntem Helm zwei
rot und golden tingierte Steinbockshörner, Helmdecken
rot-golden.
Der Balken taucht zum ersten Mal in einem Siegel von Hermann V (gest. 1243) auf. Er soll als Wappen bereits von Hermann II angenommen worden sein (gest. 1130), der sich erstmals 1112 Markgraf von Baden nannte. Siegel von 1283, 1295 und 1298 belegen ebenfalls den Schrägbalken. Als älteste Helmzier führten die Markgrafen von Baden als Kleinod zwei mit Lindenzweigen besteckte Büffelhörner, so zu sehen in einem Siegel von Hermann VII aus dem Jahre 1280. Auch die Züricher Wappenrolle bildet um 1330 das Wappen mit Lindenzweigen ab.
Hintergrund: Es gab damals zwei Linien der Markgrafen, einmal die Badener und einmal die Hachberger, entstanden durch Teilung des Besitzes unter Hermann V und Heinrich I, beides Enkel von Hermann III. Die Hachberger Linie führte die Steinbockshörner, die später nach der Wiedervereinigung die badischen Büffelhörner mit ihren Lindenzweigen ganz verdrängten. Die Steinbockshörner trugen dieselben Farben wie der Schild, rechts golden, links rot (oder auch umgekehrt dargestellt).

Bildbeispiel: Links: Baden-Baden, Abtei Lichtenthal, Tympanon der Kirche. Rechts: Gernsbach, Liebfrauenkirche (Hörner der Helmzier abweichend tingiert)
Baden-Sponheim
ab 1437
Wappen: Dabei
wurde das Wappen mit Sponheim zu Baden-Sponheim geviert:
Hintergrund: Wie bekam Baden Sponheim? Die Grafschaft Sponheim lag im Hunsrück etwa zwischen Birkenfeld, Bad Kreuznach und Bernkastel. Ursprünglich hießen die Grafen von Spanheim. Sie tauchten 1044 erstmals auf. Benannt sind sie nach der Burg Sponheim westlich von Bad Kreuznach. Zwischen Nahe und Mosel entwickelten sie im 12. Jh. ein ansehnliches Herrschaftsgebiet. Die umfangreichen Gebietsveränderungen zu erläutern würde hier zu weit führen - in Kürze: Die Gebiete wurden im 13. Jh. in eine vordere und eine hintere Grafschaft Sponheim aufgeteilt. Die Vordere Grafschaft Sponheim war das Gebiet um Bad Kreuznach, Sitz Kauzenburg. Die Hintere Grafschaft Sponheim war Sponheim-Starkenburg mit Gütern an der Mosel und bei Birkenfeld, Sitz war erst in Starkenburg an der Mosel, später die Grevenburg an der Mosel über Traben-Trarbach. Das in Rot-Silber geschachte Wappen wird im allgemeinen der Hinteren Grafschaft zugeordnet; das Blau-Gold geschachte Wappen der Vorderen Grafschaft. Es wird in der Literatur darauf hingewiesen, daß die blau-goldene Tinktur auf einem Irrtum beruht und beide Linien Rot-Silber geführt hätten. Die Lage ist widersprüchlich, vor 1488 existiert nur ein einziger Nachweis, der wirklich ernst zu nehmen ist, das Wappenbuch des Gelre aus der zweiten Hälfte des 14. Jh. (Spanheim). Die blau-goldene Farbgebung von entsprechenden Wappen der 1414 erloschenen Linie ist nur an wenigen Orten zu finden, z. B. an der Ritterkapelle in Haßfurt und in einem Glasfenster der heutigen evangelischen Kirche in Kastellaun (Hunsrück). Wie dem auch sei, diese Unterscheidung wurde wann auch immer gemacht und zieht sich von da an auch durch das badische Wappen. So ist es nachvollziehbar, daß Baden hier die Farben Rot und Silber in den Vierteln 2 und 3 seines gevierten Wappens führt. 1414 starb die Line der Vorderen Grafschaft Sponheim mit Graf Simon III von Sponheim-Kreuznach und Vianden (gest. 30.8.1414) im Mannesstamme (er hatte drei Töchter) aus, der durch seine Gemahlin Marie Gräfin von Vianden (gest. 21.10.1400) die Hälfte der Grafschaft Vianden geerbt hatte. Zu 4/5 gelangten die vorderen Sponheimer Gebiete über Simons Schwester Elisabeth von Sponheim-Kreuznach, die mit Johann IV von Sponheim-Starkenburg (gest. 1.3.1411/1413) verheiratet war, an die Hintere Grafschaft, zu 1/5 an die Pfalz. Als 1437 die Linie der Hinteren Grafschaft Sponheim mit Johann V, Sohn von Elisabeth und Johann IV, gest. 24./26.10.1437, erlosch (einziges Kind seiner Eltern; die Ehe mit Walburga von Leiningen-Rixingen blieb kinderlos), teilten sich die Grafen von Veldenz und die Markgrafen von Baden die Güter, entsprechend einem Vertrag aus dem Jahre 1425 (Benheimer Entscheid). Der entsprechende Markgraf war Jacob I. Markgraf v. Baden (15.3.1407-13.10.1453). Das Erbe blieb jedoch real ungeteilt und wurde als Kondominium geführt. Dadurch konnte Baden ab 1437 das Sponheimer Schach in den Farben Rot und Silber in sein Wappen aufnehmen. 1444 wurden die Grafen von Veldenz von Pfalz-Zweibrücken beerbt, welches 1559 auch den pfälzischen Anteil der einstigen Vorderen Grafschaft bekam. 1707 wurde die Vordere Grafschaft, 1776 die Hintere Grafschaft real zwischen Pfalz-Zweibrücken und Baden geteilt. Erst mit den napoleonischen Kriegen verschwand die Grafschaft Sponheim von der politischen Landkarte.

Bildbeispiele: links Gernsbach, Kondominatsbrunnen, rechts Gernsbach, Schlußstein in der Liebfrauenkirche
Im Scheiblerschen Wappenbuch ist ein Vollwappen dargestellt. Die Helmzier auf gekröntem Helm ist eine Kombinationshelmzier, denn zwischen zwei gold und rot tingierten Steinbockshörnern (Baden) befinden sich zwei Pfauenstöße (Vordere Grafschaft Sponheim), Helmdecken rot-golden.
In der Zimmernschen Chronik (Cod. Donaueschingen 580a, 580b) ist als badisches Wappen nur der goldene Schild mit dem roten Schrägbalken abgebildet, auf dem gekrönten Helm mit rot-goldenen Decken jedoch ein grüner Pfauenfederbusch zwischen zwei Steinbockshörnern, das rechte rot, das linke golden. Ein Pfauenstoß ist hier zusätzlich in die Helmzier gekommen, ohne daß das im Schildbild berücksichtigt wurde.

Abb. links: Alternative Darstellung mit Differenzierung der Sponheimer Farben, Ettlingen, Schildhalterinbrunnen. Das Wappen ist komplett gewendet. Abb. rechts: Desgleichen, Ettlingen, Georgsbrunnen. Man beachte, daß in beiden Fällen die Sponheimer Farben einen anderen Platz im Schild gefunden haben.
Vermehrtes
Wappen: Baden und das Markgräflerland
Wappen: Ein
vermehrtes Wappen ist geviert mit Herzschild:
Dieses Wappen wird mit 5 Helmen geführt, wobei es vorkommen kann, daß nur die ersten drei Helme sich auf dem Schildrand befinden und die beiden anderen den Schild unten flankieren (so ist im Siebmacher ein Wappen von 1580 abgebildet):
Das im Siebmacher beschriebene Wappen von 1580 ist mit der Legende wie folgt versehen: "Ernst Friedrich von Gottes Gnaden Marggraff zu Baden Markraff zu Hochburg Landgraff zu Zusenberg Herr zu Röttelen vnd Badenweiler":

Bildbeispiel: Eichstätt, Mortuarium, Decke, Teil einer Ahnenprobe eines Domherren
Hintergrund:
Hachberg: Das ist eine Burg, auch Hochburg oder
Hochberg genannt, bei Emmendingen im Breisgau. Nach dieser Burg
benannte sich eine Adelslinie, die von Markgraf Hermann (gest.
1074) gegründet wurde. Seit 1112 benannte sich diese Linie nach
der Burg Baden bei Oos. Von diesen Markgrafen von Baden spaltete
sich nach 1197 wiederum eine Seitenlinie Baden-Hachberg ab, von
dieser wiederum die Linie Baden-Sausenberg. Der Begründer der
Hachberger Linie (Hochberger Linie) ist Heinrich I. Markgraf v.
Hochberg (gest. 2.7.1231), Sohn von Hermann IV. Markgraf v. Baden
(gest. 1190). Auf Heinrich I folgten in der Stammlinie Heinrich
II. Markgraf v. Hochberg (gest. nach 1297), Heinrich III.
Markgraf v. Hochberg (gest. 1330) und Heinrich IV. Markgraf v.
Hochberg (gest. ca. 1369), dann Otto I (-1386) usw. Die Güter
gingen 1415 durch Verkauf an die Hauptlinie unter Markgraf
Bernhard I von Baden zurück (geb. 1364, gest. 5.5.1431, Sohn von
Rudolf VI. Markgraf v. Baden und Mechtild v.
Sponheim-Starkenburg). Die Burg ist eine mächtige, immer wieder
verstärkte Festungsanlage und die zweitgrößte Burganlage in
Baden nach dem Heidelberger Schloß. 1535 fiel Hachberg an
Baden-Durlach.
Unterscheide (1): Hachberg/Hochberg ist nicht identisch mit der reichsritterschaftlichen Herrschaft Hochberg am Neckar bei Ludwigsburg, die erst an die Nothafft, dann an die Gemmingen kam.
Unterscheide (2): 1796 gab es eine Linie Baden-Hochberg (siehe unten).
Breisgau: Das Wappen der Grafschaft, Landgrafschaft und Landvogtei Breisgau sieht dem Hachberger ganz ähnlich. Es zeigt ebenfalls in Silber einen roten Löwen und hat ebenfalls als Helmzier den Löwen wachsend. Tatsächlich sind wir bei der Zuordnung auf die geführten Titel, also die Selbstinterpretation angewiesen. Die Markgrafen nannten sich bevorzugt Markgrafen von Hachberg, und deshalb sei hier stets die Zuordnung Hachberg getroffen. Das Breisgau war eine karolingische Grafschaft, sie ist seit dem 11. Jh. in den Händen der Zähringer belegt. 1064 ging sie an die verwandten Markgrafen von Baden. Bei der Teilung ging das Breisgau 1190 an die Markgrafen von Hachberg. Bald wurde das Breisgau geteilt. Die Grafen von Habsburg bekamen einen Teil, als die Staufer erloschen, ein anderer Teil wurde von den Zähringern an die Grafen von Kyburg vererbt, von denen es wiederum das Haus Habsburg erhielt. Der südliche Teil des Breisgaues blieb bei den Markgrafen. Der nördliche Teil wurde als Landgrafschaft an die Grafen von Freiburg verpfändet und kam 1368 ebenfalls an Habsburg. Erst 1805/1810 fiel der Teil wieder an Baden.
Sausenberg: Die Landgrafschaft Sausenberg kam 1232 durch käuflichen Erwerb zu den Grafen von Hachberg (Hochberg). Die Linie Baden-Sausenberg spaltete sich ca. 1297 von der Linie Baden-Hachberg ab. Rudolf I von Sausenberg ist der erste dieser Linie. Er ist der Sohn von Heinrich II. Markgraf v. Hochberg und Anna v. Üsenberg (Sausenberg). Die Linie erwarb 1306 Rötteln, später Lörrach, 1444 Badenweiler und 1457 die Grafschaft Neuenburg (Neuchâtel, Neufchâtel). Auf Rudolf I von Sausenberg (gest. ca. 1313) folgten Rudolf II. v. Sausenberg (gest. ca. 1352/1356), Rudolf III. Markgraf v. Sausenberg (1343-8.2.1428), Rudolf II. v. Sausenberg (-1352/1356), Wilhelm Markgraf v. Sausenberg (11.7.1406-ca.1473/1482), Rudolf IV (geb. 1427, gest. 12.4.1487), Philipp v. Baden-Hochberg Prince de Orange (geb. 1452, gest. 9.9.1503), mit dem die Linie erlosch, denn des letzteren Sohn Wilhelm war schon 1482 verstorben, und nur seine Tochter Johanna lebte bis 1543. Sausenberg gehörte zum Schwäbischen Reichskreis. Die Sausenburg war Sitz der Markgrafen von Hachberg-Sausenberg, ehe sie nach Rötteln zogen. Baden-Sausenburg erlosch im Mannesstamme 1503. Die Güter kamen durch den Erbfall (Erbvertrag von 1490) im wesentlichen an die Hauptlinie Baden, bis auf Neuenburg, welches über eine Tochter an den Herzog von Orléans-Longueville fiel. Als 1535 die Markgrafschaft Baden geteilt wurde, fiel Sausenberg an Baden-Durlach.
Rötteln ist eine Herrschaft bei Lörrach mit gleichnamiger Burg (drittgrößte Burgruine in Baden). Nach 1306, vermutlich 1311 kam sie als Geschenk über eine Erbtochter (Agnes von Rötteln, Tochter von Liuthold II. von Rötteln, mit dessen Tod am 19.5.1316 das Adelsgeschlecht im Mannesstamme ausstarb) an den Markgrafen Rudolf I von Baden-Hachberg-Sausenberg, wurde Sitz dieser Linie und kam mit den übrigen Besitzungen der Markgrafen von Sausenberg 1503 mittelbar an Baden aufgrund eines Erbvertrages von 1490.
Badenweiler, Sitz einer um die 1122 gegründete zähringische Burg gelegenen Herrschaft, ging 1368 an die Grafen von Freiburg und kam 1444 an die Markgrafen von Hachberg-Sausenberg (Gründung des Markgräflerlandes), als Johann Graf von Freiburg (geb. 13.9.1426, Sohn von Johann v. Freiburg Graf v. Neuchatel (-19.2.1457) und Marie de Chalon Dame de Cerlier (-1465), selbst ohne männliche Nachkommen und damit der letzte seines Geschlechtes), die Herrschaft an die Söhne von Wilhelm Markgraf v. Sausenberg (11.7.1406-ca.1473/1482), Rudolf IV (geb. 1427, gest. 12.4.1487) und Hugo (gest. 1445) vermacht. 1503 kommt das gesamte Markgräflerland zu Baden.
Die Herrschaften Badenweiler, Rötteln und Sausenberg - jetzt in einer Hand vereint - werden seit dem 16. Jh. als Markgräflerland bezeichnet, um es vom Breisgau Habsburg-Österreichs (s.o.) abzugrenzen.
Genealogischer
Rückblick auf die Stammlinie (1. Teil):
Berthold V. Herzog v.
Zähringen = Berthold I. (- ca. 1077/1078)
Hermann I. Markgraf v. Verona (- 1074) - nannte sich Markgraf von
Hachberg (Hochberg)
Hermann II. Markgraf v. Baden (- 1130) - nannte sich erstmals
Markgraf von Baden nach der erheirateten Burg
Hermann III. Markgraf v. Baden (- 1160)
Hermann IV. Markgraf v. Baden (- 1190)
Hermann V. Markgraf v. Baden (- 1243)
Rudolf I. Markgraf v. Baden (ca. 1230 - 19.11.1288, reg.
1250-1288) - er erwirbt Alt-Eberstein
Hermann VII. Markgraf v. Baden (1266 - 15.7.1291, reg. 1288-1291)
Rudolf II. (IV) Markgraf v. Baden (- 25.6.1348)
Friedrich III. Markgraf v. Baden (1327 - 1353)
Rudolf VI. Markgraf v. Baden (- 1372)
Bernhard I. Markgraf v. Baden (1364 - 5.5.1431, reg. 1372 - 1431)
- unter seiner Herrschaft kamen die Besitzungen der Nebenlinie
Baden-Hachberg 1415 wieder an die Hauptlinie zurück.
Jacob I. Markgraf v. Baden (15.3.1407 - 13.10.1453) -
Gebietserweiterungen: 1437 trat der sog. Benheimer Entscheid von
1425 in Kraft (siehe oben unter Baden-Sponheim), wodurch er
Besitzungen an der Mosel bekam (Hintere Grafschaft Sponheim).
Ferner erwarb dieser Markgraf das Pfandrecht an der Herrschaft
Mahlberg. Ein Nachfolger kaufte sie schließlich ganz.
Karl I. Markgraf v. Baden (ca.1427 - 24.2.1475)
Christoph I. Markgraf v. Baden (13.11.1453 - 19.4.1527, reg. 1475
- 1515) - unter ihm fällt das Markgräflerland 1503 zurück an
die Stammlinie, und die weitreichenden Zersplitterungen der
Zähringer Besitztümer finden ein Ende.
Baden-Durlach
Hintergrund:
1533 entstanden aus der Markgrafschaft Baden zwei badische Linien
mit zwei badischen Gebieten, die sich aber später wieder
vereinigten. Christoph I. Markgraf v. Baden (13.11.1453 -
19.4.1527, reg. 1475 - 1515) hatte mit seiner Frau Ottilie v.
Katzenelnbogen (ca 1451-15.8.1517) einst 3 Söhne, die für die
Nachfolge in Frage kamen: Bernhard IV. (III) Markgraf v.
Baden-Baden (7.10.1474 - 1536), Ernst Markgraf v. Baden-Durlach
(1482 - 6.2.1553) und Philipp I. Markgraf v. Baden-Sponheim
(6.11.1479 - 17.9.1533). Unter ihnen sollte die Markgrafschaft
Baden aufgeteilt werden. 1515 bekam Bernhard III die
luxemburgischen und sponheimischen Güter, Ernst die Güter im
Breisgau mit Hachberg und dem Markgräflerland und Philipp den
Rest. Davon verstarb Philipp vorzeitig ohne Erben, so daß Baden
unter den Brüdern Bernhard und Ernst aufgeteilt wurde. Bernhard
bekam jetzt Stadt und Schloß Baden, die Vogtei über Herrenalb
und Frauenalb, die Herrschaft Beinheim und die Gebiete südlich
des Flusses Alb. Ernst erhielt aus der Erbmasse nun Durlach,
Pforzheim, Liebenzell, Altensteig und die Gebiete nördlich des
Flusses Alb. Aus dieser Teilung resultierten die bernhardinische
Linie (obere Markgrafschaft Baden-Baden, Residenz in Baden-Baden)
und die ernestinische Linie (untere Markgrafschaft Baden-Durlach,
Residenzen in Pforzheim, später Durlach, zuletzt Karlsruhe).
1565 verlegte Markgraf Karl II seine Residenz von Pforzheim nach
Durlach und seitdem nannte sich die ernestinische Linie
Markgrafen von Baden-Durlach. 1594-1622 besetzte
Baden-Durlach Baden-Baden. 1635-1648 kam Baden-Durlach während
der Irrungen und Wirrungen des 30jährigen Krieges vorübergehend
an Baden-Baden. 1724 wurde die Residenz nach Karlsruhe verlegt.
Baden-Durlach wurde 1556 evangelisch, Baden-Baden nach 1555
ebenfalls, wurde aber später rekatholisiert. Erst 1771 wurde
diesem gespaltenen Zustand ein Ende bereitet, als die
bernhardinische Linie ohne männlichen Erben blieb und per
Erbschaftsvertrag beide Ländereien unter Kontinuität der
ernestinischen Linie wieder vereinigt wurden. Die Markgrafschaft
Baden gab es wieder in vereinigter Form.
Eberstein: Neu im Wappen ist die Grafschaft Eberstein: Einst mächtige Nachbarn der Markgrafen, doch dann erfolgte ein schrittweiser Übergang an Baden durch Mitgift und Verkauf. 1387 werden wegen enormer Schulden große Teile der Grafschaft Eberstein an Baden verkauft. Später vollständiger Übergang an Baden, 1660 Aussterben der Ebersteiner im Mannesstamm. Ausführliche Geschichte siehe Ortsregister, Gernsbach, Schloß Eberstein.
Geroldseck, Lahr und Mahlberg: Weiterhin sind neu die Herrschaften Geroldseck und Mahlberg: Mahlberg (Reichsstadt und Herrschaft) unterstand erst den Zähringern. Nach deren Aussterben zog der Kaiser das heimgefallene Lehen ein, und die Stadt wurde Reichsstadt. Die Herren von Geroldseck kommen von der Stammburg Hohengeroldseck in der Ortenau und bauten sich im 13. Jh. dort ihre Herrschaft auf. Sie sind nicht zu verwechseln mit Geroldseck im Wasichen (Elsaß), welches an die Rappoltsteiner kam. Durch Heirat von Walter I. von Geroldseck (geb. vor 1224, gest. 1277) in zweiter Ehe mit einer Tochter und Erbin der letzten Herren von Mahlberg, Heilika v. Mahlberg (geb. vor 1252, gest. vor 1259) ging der Besitz Mahlberg und Lahr an die Geroldsecker über, sie sich jetzt Herren von Geroldseck-Mahlberg nennen. Mitte des 13. Jh. besetzten die Herren von Geroldseck die Stadt und machten sie zum Sitz ihrer Herrschaft Mahlberg. 1277 kam nach dem Tod von Walter I von Geroldseck Mahlberg an die Linie Lahr-Mahlberg, 1426 wurde sie an Moers-Saarwerden vererbt, schließlich 1442 an Jacob I. Markgraf v. Baden (15.3.1407 - 13.10.1453) verpfändet. 1497 kauft Baden die Hälfte der ehemaligen Herrschaft mit Mahlberg, während die andere Hälfte mit Lahr bei Moers-Saarwerden verblieb und 1527 an Nassau-Saarbrücken fällt. Bei der Teilung Badens kam Mahlberg an Baden-Baden. 1629 erst wurde die ehemalige Herrschaft real geteilt. Die übrigen Güter der Herren von Geroldeck gingen erst an die Grafen von Veldenz, nach deren Aussterben 1634 wurden die Grafen von Kronberg damit belehnt, dann die Freiherren/Grafen von der Leyen. Die Grafschaft Geroldseck wurde 1815 im Zuge der Mediatisierung wieder der Lehnshoheit Österreichs unterstellt und von Österreich 1819 an Baden abgetreten. Und erst 1803 kam Lahr an Baden. Somit steht das Element im Wappen vor 1803 immer für Geroldseck-Mahlberg, noch nicht für Lahr, was erst später erhalten wird. Heute noch bildet das Wappen der Herren von Geroldseck das rechte Feld des gespaltenen Schildes der Stadt Lahr.
Wappen:
Das Wappen hat neun Felder und einen Herzschild, also 10 Motive:

Bildbeispiel: Idstein, Schloßportal. Bei diesem Allianzwappen über dem Renaissance-Tor von ca. 1630 handelt es sich bei der Dame, heraldisch rechts, um Sibylle Magdalene von Baden-Durlach, geb. in Durlach am 21.7.1605, gest. in Straßburg am 26.7.1644. Im Beispiel werden 6 Helme auf dem Schildrand aufgereiht und je zwei rechts und links des Schildfußes abgebildet.
Zu diesem Wappen gehören 10 Helme:
Von diesen Helmen werden meist nicht alle oben auf dem Schildrand dargestellt, sondern es werden drei oder sechs o.ä. ausgewählt (die wichtigsten), während die restlichen Helme seitlich neben dem Hauptwappen losgelöst von diesem dargestellt werden, eine weitere Möglichkeit des konstruktiven Umgangs mit dem Platzproblem bei zu vielen Helmen.
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| Sponheim | Hachberg | Baden | Sausenberg | Eberstein (1) |
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| Eberstein (2) | Badenweiler | Rötteln | Mahlberg | Geroldseck |
Bildbeispiel: Idstein, Schloßportal, wie oben. Detailausschnitte mit den zehn Helmen.
Genealogischer Rückblick (2. Teil): Baden-Durlach

Abb.: Rhodt unter Rietburg, auf 1720 datierter Wappenstein für den Landesherrn Carl III. Wilhelm Markgraf v. Baden-Durlach (17.1.1679-12.5.1738) am Nordportal der Pfarrkirche St. Georg. Hier werden drei der zehn Helme auf dem oberen Schildrand angeordnet, drei rechts neben dem Schild und vier links neben dem Schild, gleiche Inhalte wie beim Idsteiner Wappenstein, aber andere Verteilung der Helme.
Baden-Baden
Wappen: Im
Vergleich zu dem Wappen von Baden-Durlach taucht ein
zusätzliches Feld auf, das der Vorderen Grafschaft Sponheim,
wobei die Plätze 1 und 9, also die der Vorderen und der Hinteren
Grafschaft Sponheim, auch vertauscht sein können. Um den dafür
benötigten Platz zu schaffen, rücken die beiden Ebersteiner
Komponenten, die bei Baden-Durlach jedes für sich ein Feld
einnehmen, zusammen in ein geteiltes Feld. Ansonsten sind die
übrigen Komponenten gleich.
Bauplastische Beispiele:

Bildbeispiel: Ettlingen, Schloß, Nordostfassade (leichte farbliche Abweichungen)
Oberwappen: Zu diesem Wappen gehören 11 Helme. Es sind die gleichen wie bei Baden-Durlach, zusätzlich wird ein weiterer Helm für die Vordere Grafschaft Sponheim geführt:
Von diesen Helmen werden meist nicht alle oben auf dem Schildrand dargestellt, sondern es werden fünf o.ä. ausgewählt (die wichtigsten), während die restlichen Helme seitlich neben dem Hauptwappen losgelöst von diesem dargestellt werden (z. B. 2 + 2 + 1 + 1), eine weitere Möglichkeit des konstruktiven Umgangs mit dem Platzproblem bei zu vielen Helmen.

Bildbeispiel: Ehem. Piaristenkloster in Kirchberg (Hunsrück), Wappenstein von 1765
Genealogischer Rückblick (3. Teil): Linie Baden-Baden

Bildbeispiel: Ettlingen, Martinskirche, leichte farbliche Abweichungen.
Kurfürstentum
Baden 1803
Wappen: Das
Staatswappen des Kurfürstentums Baden hatte nach dem
XI. Organisationsedikt vom 2.5.1803 neben dem Herzschild mit
dem roten Schrägbalken in Gold (Stammwappen) 16 Bestandteile:
Hachberg, Zähringer, Konstanz, Bruchsal, Ettenheim, Sausenberg,
Eberstein, Odenheirn, Gengenbach, Salem, Petershausen, Rötteln,
Badenweiler und Geroldseck/Lahr, Mahlberg und Lichtenau,
Reichenau, Oehningen - wovon einige wieder unterteilt waren. In
diesem Wappen drückt sich vor allem die Neuordnung nach der
Auflösung der geistlichen Fürstentümer aus: So erscheint
Konstanz mit den zugehörigen Elementen Reichenau und Oehningen,
desgleichen Bruchsal. Auch einige Klöster erscheinen neu im
Wappen, so die Zisterzienserabtei Salem und das
Benediktinerkloster Petershausen.
Als Schildhalter waren in Gebrauch rechts ein gekrönter, widersehender Greif, links ein gekrönter, von Rot und Gold geteilter, widersehender Löwe. Das Ganze wird umgeben von einem hermelingefütterten Purpurmantel, oben mit einem Kurhut abschließend.
Hintergrund: Baden verlor 1796 an das revolutionäre Frankreich seine linksrheinischen Besitzungen, darunter die Herrschaft Beinheim im Unterelsaß, das Amt Gräfenstein bei Pirmasens, die luxemburgischen Herrschaften Hesperingen und Rodemachern, dazu Teile der Grafschaft Sponheim im Hunsrück. Durch den Reichsdeputationshauptschluß wurde Baden am 25.2.1803 zum Kurfürstentum erhoben. Für den Verlust der linksrheinischen Gebiete wurde Baden mit neuen Gebieten entschädigt. Baden erhielt die rechtsrheinischen Gebiete der Pfalz (Mannheim, Heidelberg, Bretten, Ladenburg), die aber noch nicht ins Wappen kamen, dazu die ehemaligen Hochstifte Konstanz (mit Reichenau und Oehningen) und Speyer (teilweise) und Straßburg (teilweise). Konstanz, Reichenau, Oehningen und Speyer kamen deshalb als neue Elemente ins Wappen. Weitere Gebietsgewinne waren die hanau-lichtenbergischen bzw. hessen-darmstädtischen Ämter Lichtenau und Willstätt, wodurch die Hanauer Sparren (oder eine Version derselben) ins Wappen kam. Jetzt endlich bekam Baden auch die Stadt Lahr aus dem ehemaligen Geroldsecker Besitz. Aus dem Fundus kirchlichen Besitzes bekam Baden weitere reiche Beute: Die Reichsabteien Petershausen, Gengenbach, Odenheim und Salem (ohne Ostrach), die teilweise schon in diesem Wappen vertreten sind und im großherzoglichen Wappen allesamt auftauchen (s.u.). Einige Reichsstädte kamen ebenfalls an Baden, darunter Offenburg, Pfullendorf, Gengenbach, Biberach (ging 1806 an Württemberg), Zell am Harmersbach, Überlingen sowie Wimpfen (ging später an Hessen). Diese Städte wurden im großherzoglichen Wappen gezeigt, noch nicht im kurfürstlichen Wappen von 1803. An Klöstern heimste Baden weiterhin Schwarzach, Frauenalb, Lichtental, Ettenheimmünster und Allerheiligen ein.
Grafen von
Hochberg 1796-1817
1796 gab es eine Linie
Baden-Hochberg: Luise Geyer von Geyersberg, die morganatische
Frau des späteren Großherzogs Karl Friedrich von Baden,
eigentlich einfach seine zweite Ehefrau, wurde zur Gräfin von
Hochberg erhoben. Ihre Söhne waren per Erklärung 1806
erbberechtigt und bekamen 1817 den Titel eines Markgrafen von
Baden, wie auch die Ehefrau zur Prinzessin von Baden erklärt
wurde. Tatsächlich traten die Nachkommen aus zweiter Ehe die
Erbfolge an, und ohne diese Anerkennung wäre das Haus Baden
längst erloschen. Das Wappen der Grafen von Hochberg war
gespalten, vorne Baden (in Gold ein roter Schrägrechtsbalken),
hinten Hochberg (in Silber ein roter Löwe, golden gekrönt,
bewehrt und gezungt). Zwei Helme: Baden (auf gekröntem Helm ein
rotes und ein goldenes Bockshorn) und Hochberg (Hachberg, auf
gekröntem Helm der Löwe wachsend). Helmdecken rechts
rot-golden, links rot-silbern. Schildhalter: Rechts ein
gekrönter silberner Greif, links ein gekrönter silberner Löwe.
Großherzogtum
Baden 1807
Wappen: Beim
großen Staatswappen nach dem Edikt von 15.6.1807 handelt es sich
um das komplizierteste Wappen, das die Markgrafen von Baden als
Großherzöge je geführt haben, mit insgesamt 30 Feldern und
eigentlich sogar 37 Motiv-Elementen, darunter neben dem
Stammwappen die Symbole der einzelnen Teile, aus denen das
Großherzogtum "zusammengewachsen" ist:
Hier entsteht ein extrem komplexes Wappen, das sich weit jenseits der Grenzen der Übersichtlichkeit befindet. Das Nebeneinander von Purpur und Rot im Herzschild ist aus unserer Sicht heraldisch besonders unglücklich. Einige Felder verstoßen in sich gegen die Farbregel.
Auf dem Schild befindet sich eine königliche Krone, um den Schild hängt der Hausorden der Treue an goldener Kette. Als Schildhalter fungieren rechts ein gekrönter, silberner, widersehender Greif und links ein von Rot und Silber geteilter, gekrönter, widersehender Löwe.
Hoheits-Schilde: Nicht genug mit den 30 Feldern des großherzoglichen Schildes, noch weitere Motive werden in insgesamt 10 Hoheits-Schilden gezeigt, die außerhalb der Ordenskette den großherzoglichen Schild U-förmig einrahmen, fünf zu jeder Seite, unten mit einem einfachen, ledigen, ungekrönten Schild (Warteschild für ein zukünftiges Erbwappen) verbunden.
Insgesamt kommen wir damit auf 52 Motiv-Elemente. Um alles ein purpurner, hermelingefütterter Wappenmantel, außen mit silbernen Greifen besät, oben zu einer ungekrönten Kuppel zusammenlaufend.
Hintergrund: Das großherzogliche Wappen zeigt nun viele Besitzungen, die schon 1803 durch den Reichsdeputationshauptschluß an Baden kamen, aber noch nicht im Kurfürstlichen Wappen realisiert worden waren. Durch Zukauf wurde das Herrschaftsgebiet weiter vergrößert, so kaufte Baden 1805 dem Herzog von Modena/Österreich den größten Teil des Breisgaues ab, die Baar mit Villingen, die Ortenau, die Stadt Konstanz und einige Kommenden des Deutschen Ordens, zuallererst die Mainau zu nennen. Alle diese Bestandteile kommen neu ins Wappen. Das Wappen der Grafschaft, Landgrafschaft und Landvogtei Breisgau sieht dem Hachberger ganz ähnlich. Es zeigt ebenfalls in Silber einen roten Löwen und hat ebenfalls als Helmzier den Löwen wachsend. Hier sind beide im Schild vertreten. Das Breisgau war eine karolingische Grafschaft, sie ist seit dem 11. Jh. in den Händen der Zähringer belegt. 1064 ging sie an die verwandten Markgrafen von Baden. Bei der Teilung ging das Breisgau 1190 an die Markgrafen von Hachberg. Bald wurde das Breisgau geteilt. Die Grafen von Habsburg bekamen einen Teil, als die Staufer erloschen, ein anderer Teil wurde von den Zähringern an die Grafen von Kyburg vererbt, von denen es wiederum das Haus Habsburg erhielt. Der südliche Teil des Breisgaues blieb bei den Markgrafen. Der nördliche Teil wurde als Landgrafschaft an die Grafen von Freiburg verpfändet und kam 1368 ebenfalls an Habsburg. Erst 1805 fiel der Teil wieder an Baden und Württemberg, und 1810 trat Württemberg seinen Anteil an Baden ab.
Dadurch, daß Baden dem Rheinbund 1806 beitrat, wurde es Großherzogtum. Baden erhielt neue Besitzungen: Die Fürstentümer Fürstenberg, Leiningen, Salm-Krautheim, dazu die Landgrafschaft Klettgau, die Reichsgrafschaft Bonndorf sowie noch Heitersheim, ein Johanniterpriorat. Alle diese neuen Besitztümer finden Eingang in das großherzogliche Wappen. Insbesondere Leiningen trug einige neue Komponenten zum großherzoglichen Wappen bei. Weiterhin bekam Baden die südlich des Maines gelegenen Anteile der Grafschaft Wertheim. 1810 wurden Gebiete mit Württemberg und mit Hessen-Darmstadt ausgetauscht, Baden gewann die Landgrafschaft Nellenburg und die obere Grafschaft Hohenburg und verlor Randgebiete im Schwarzwald sowie Miltenberg und Amorbach an Hessen (Pariser Vertrag), das die Hessen 1816 zum überwiegenden Teil an Bayern abtraten. 1819 wurde die Herrschaft Hohengeroldseck erworben.
Leiningen: Die Elemente Rineck, Dürn, Frankenberg und Amorbach entstammen dem Wappen der Fürsten von Leiningen-Dachsburg-Hartenburg u.ä., genau wie das Stammwappen der Leininger, das allerdings drei (2:1) silberne Adler in Blau zeigt. Dürn: In der Literatur fälschlicherweise Düren geschrieben, tatsächlich handelt es sich nicht um die Stadt zwischen Aachen und Köln, sondern um Walldürn, und das Wappen ist das selbe wie das der Familie von Adelsheim, deren Ursprung man von den Dynasten von Dürn ableitet.
Ortenau: Die Ortenau wurde zwar schon 1701 ein Lehen bzw. Pfand für Baden, doch 1771 wurde sie beim Aussterben der bernhardinischen Linie von den Habsburgern als Lehnsherren wieder eingezogen. 1801 kam die Ortenau an den Herzog von Modena, 1803 an den Erzherzog Ferdinand von Modena / Österreich, und 1805/1806 erst an Baden.
Ettenheim: Die Herrschaft Ettenheim liegt am Ausgang des Münstertales im Schwarzwald. Um 1312 wurde es Stadt und Hauptsitz einer Herrschaft. 1803 fiel es genau wie die Abtei Ettenheimmünster durch den Reichsdeputationshauptschluß an Baden.
Heitersheim: Das ist ein Johanniterpriorat südwestlich von Freiburg, nur wenige Quadratkilometer groß, seit 1272 dem Johanniterorden zugehörig. 1276 bekam das Priorat Gerichtsrechte und Vogtrechte. Der Ort wurde reichsunmittelbar und erhielt ab 1546 den Rang eines Fürstentums mit Sitz und Stimme im Reichstag. Heitersheim war Sitz des Johannitergroßpriors (Johannitermeister) von Deutschland. 1797 kam Heitersheim mit dem Breisgau an den Herzog von Modena und 1805/06 an Baden.
Bonndorf: Die Herrschaft Bonndorf war erst ein Besitz der Landgrafen von Stühlingen, dann reichsunmittelbar, später wurde sie für die Abtei St. Blasien gekauft, die Gebiete dazutat und die Herrschaft zur Grafschaft erweiterte. Dadurch wurde 1746 der Abt von St. Blasien Reichsfürst. 1803 kam die Grafschaft an das Großpriorat Heitersheim und mit diesem 1805 an Württenberg und 1806 an Baden.
Lichtenau: Die Burg Lichtenau ist bei Rastatt gelegen, einst eine Burg des Straßburger Bischofs. Die Herrschaft Lichtenau, zu der diese Burg gehörte, kam an Hanau-Lichtenberg, wurde 1736 an Hessen-Darmstadt vererbt und kam 1803 an Baden. Eigentlich erinnert die Wappenkomponente an die drei Sparren der Grafen von Hanau, wird aber im Siebmacher mit nur zwei Sparren beschrieben.
Blumenfeld: Die Herrschaft Blumenfeld liegt bei Konstanz im Hegau. Ursprüngliche Besitzer waren die Herren von Blumenfeld, dann kamen die Ritter von Klingenberg. 1488 wurde die Herrschaft an den Deutschen Orden verkauft und von der Kommende Mainau aus verwaltet. Blumenfeld wurde unter der Deutschordensherrschaft ein Amt mit 13 zugehörigen Ortschaften. An Baden kam Blumenfeld zusammen mit der Kommende Mainau im Jahre 1806.
Mainau: Die Mainau war Klostergut der Reichenau. Arnold von Langenstein überließ 1271 die Insel und den Uferbereich davor dem deutschen Orden, als er selber in diesen eintrat. Bis 1805 war die Mainau Teil der Ballei Elsaß-Schwaben-Burgund. 1805 kam sie an Baden. 1928 ging sie vom Großherzog Friedrich II an seine Schwester Königin Viktoria von Schweden und kam so an deren Enkel Graf Lennart Bernadotte.
Überlingen/Pfullendorf: Überlingen am Nordufer des Bodensees kam in der Mitte des 12. Jh. von den Grafen von Bregenz an die Grafen von Pfullendorf (eine Abspaltung derselben) und wurde um 1180 dann von Kaiser Friedrich I Barbarossa zur Stadt erhoben. 1241/1268 wurde Überlingen Reichsstadt. 1803 verlor Überlingen seine Reichsunmittelbarkeit und kam an Baden. Pfullendorf hatte ein paralleles Schicksal: 1220 bekam es von Kaiser Friedrich II Stadtrecht, spätestens seit 1363 war es Reichsstadt, und 1803 fiel es an Baden. Als Reichsstadt war beider Stadtwappen der schwarze Reichsadler in Gold.
Hauenstein: Eine Herrschaft am Rheinübergang bei Laufenburg, im Besitz der Grafen von Lenzburg, der Grafen von Kyburg, der Herren von Schönau, der Linie Habsburg-Laufenburg, ab 1408 wieder im Besitz der Hauptlinie der Habsburger, seit 1562 Grafschaft Hauenstein, 1806 an Baden. Burg Hauenstein auch als Burg Houwinstein geführt.
Tengen: Der Ort bei Konstanz war erst Sitz einer Herrschaft, dann ab 1422 der der Grafen von Tengen. 1305 km die hintere Herrschaft Tengen an Habsburg und 1488 an die Deutschordenskommende Mainau. Mit dieser kam dieser Teil 1806 an Baden. Die vordere Herrschaft Tengen kam durch Kauf 1522 an Österreich. Das Gebiet wurde mit der Landgrafschaft Nellenburg vereinigt und 1664 zur gefürsteten Grafschaft erhoben. 1806/1811 kam auch dieser Teil an Baden.
Großherzogtum
Baden 1830
1830 wurde das komplizierte,
vielfeldrige badische Wappen bis auf das Stammwappen im Schild
vereinfacht: In Gold ein roter Schrägbalken. Der Schild ist von
einer Königskrone gekrönt. Als Schildhalter finden wir zwei
widersehende, königlich gekrönte, golden bewehrte, silberne
Greifen, die auf einer Art Joch stehen, von dem die Ordensketten
herabhängen. Die beiden Greifen als Schildhalter, allerdings
noch ungekrönt, finden wir übrigens erstmals in einem Siegel
von Markgraf Philipp (gest. 1533), allerdings nur vorübergehend.
Waren vorher im Großherzogtum rechts ein gekrönter,
widersehender, silberner Greif und links ein gekrönter, von Rot
über Gold geteilter Löwe verwendet worden, so wurden diese
später durch die beiden symmetrischen Greifen wie im Bild
abgelöst.

Bildbeispiel: Gernsbach, Schloß Eberstein, hier nur mit dem Hausorden der Treue
Orden
um das großherzogliche Wappen
Das Staatswappen des
Großherzogtums Baden (1806-1918), das auch vom Großherzog von
Baden persönlich geführt wurde, hatte drei Ordensketten, zum
Hausorden der Treue noch den
Militär-Karl-Friedrichs-Verdienst-Orden und den Orden Bertholds
des Ersten (ersetzte 1877 den Orden vom Zähringer Löwen). Der
Erbgroßherzog benutzt nur den Hausorden der Treue; die anderen
großherzoglichen Hoheiten das badische Wappen.
Hausorden
der Treue
Der Hausorden der Treue wurde
von Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach zur Erinnerung an die
Grundsteinlegung von Karlsruhe am 17.6.1715 gestiftet. Der
Anhänger ist ein in Gold gefaßtes, rotes, achtspitziges Kreuz
mit goldenen Kugelenden, in dessen Winkeln je zwei goldene,
verschlungene Buchstaben "C" sind. Das zentrale
Medaillon des Anhängers ist eine weiße, goldgefaßte Scheibe,
auf der zwei verschlungene Buchstaben "C" über einem
grünen Berg zu sehen sind, oben mit der Inschrift
"Fidelitas" über dem Monogramm. War das Medaillon
früher bunt, wurde es später ganz in Gold dargestellt. Der
kreuzförmige Anhänger ist durch eine Königskrone mit der Kette
verbunden, die aus weiteren Königskronen und verschlungenen
Doppel-"C"s als Gliedern gebildet wird.
Orden
vom Zähringer Löwen
Der Orden wurde am 26.12.1812
von Großherzog Karl Ludwig Friedrich von Baden gegründet. Er
ehrt das Andenken der Zähringer. Zeichen des Ordens ist ein
golden umrandetes, grünemailliertes Kreuz mit goldenen Spangen
in seinen Winkeln, die Arme des Kreuzes sind gleich lang. Das
goldgeränderte Medaillon zeigt die Ruine des Stammschlosses der
Zähringer (Avers). Es ist umgeben von einem Textkreis mit der
Devise "Für Ehre und Wahrheit". Auf der Rückseite ist
der golden dargestellte Zähringer Löwe auf rotem Grund
abgebildet. Der Orden gliederte sich zuletzt in fünf Klassen:
Großkreuz, Kommandeure erster Klasse, Kommandeure zweiter
Klasse, Ritter erster Klasse, Ritter zweiter Klasse.
Orden
Bertholds des Ersten
Der Orden wurde am 29.4.1877
von Großherzog Friedrich von Baden gestiftet. Anlaß war das
25jährige Regierungsjubiläum. Es handelt sich um eine
Steigerung des Ordens vom Zähringer Löwen und ersetzte
heraldisch diesen, weil er als höhere Klasse desselben galt.
Erst 1896 wurde es ein eigenständiger Orden. Ein achtspitziges,
goldgesäumtes, weißes Kreuz mit goldenen Kugelenden hat goldene
Herzogskronen in den vier Winkeln. In seiner Mitte hat es ein
rotes Medaillon, von einer goldenen Schnur eingefaßt, im
Medaillon ist das königlich gekrönte Monogramm des Stifters:
FWL. Mit der Kette wird das Kreuz durch eine goldene Königskrone
verbunden. Die Kette ist eine einfache Goldkette und kommt nur im
Wappen vor. Es gibt diesen Orden in vier Klassen: Großkreuz,
Kommandeur, Ritter I. und II. Klasse.
Militär-Karl-Friedrichs-Verdienst-Orden
Der Orden wurde am 4.4.1807
von Großherzog Karl Friedrich gestiftet. Ein achtspitziges,
weißes, goldgefaßtes Kreuz liegt einem grünen Lorbeerkranz auf
und trägt in der Mitte ein rotes, goldgefaßtes Medaillon mit
den verschlungenen Buchstaben C und F, dem Monogramm des
Stifters. Das Medaillon ist bordiert von einem dunkelblauen Ring
mit der goldenen Inschrift "Für Badens Ehre". Als
Verbindungsglied zur Kette dient eine goldene Königskrone. Die
Kette gibt es nur in Wappendarstellungen; sie besteht aus
alternierenden Elementen, einerseits runden Medaillons mit einem
Greifen, andererseits das liegende Monogramm mit den
verschlungenen Buchstaben C und F.

Bildbeispiel: Wertheim, Kilianskapelle, Tympanon, großherzoglich-badisches Wappen
Genealogischer Rückblick (4. Teil): Großherzöge und Prinzen
Ein
Trierer Erzbischof aus dem Hause Baden
Das Wappen des
Trierer Erzbischofs Johann II von Baden, geb. 1430 als badischer Prinz, Sohn von Markgraf
Jakob I von Baden und Katharina von Lothringen, 1456 zum
Erzbischof von Trier gewählt, bekannt als Unterstützer von
Adolf II von Nassau in der Mainzer Stiftsfehde gegen Dieter von
Isenburg und als Förderer des Anschlusses der
Benediktinerklöster an die Reformbewegung des Ordens, gest.
9.2.1503 in Koblenz-Ehrenbreitstein, ist vom Fürstbistum Trier
und vom Stammwappen geviert:
Bildbeispiele: Abb. links: Ettlingen, Georgs-Brunnen 1494, gewendetes Wappen. Abb. rechts: Klausen (Eifel), Wallfahrtskirche.
Ein
Fürstabt von Fulda aus dem Hause Baden
Das Wappen des Fuldaer
Fürstabtes Bernhard Gustav
Markgraf von Baden-Durlach (16711677) ist geviert:
Auf dem Schild rechts die Inful, links der Fürstenhut. Hinter dem Schild stecken Krummstab und Schwert.
In seiner gleichzeitigen Funktion als Fürstabt von Fulda und auch als Fürstabt von Kempten ist das Wappen geviert mit Herzschild und wie folgt tingiert:
Über dem Schild der Kardinalshut.
Ein Beispiel für ein solches Wappen findet sich
Ein
usurpiertes Baden-Wappen
Die Stadt Bad Brückenau
(Landkreis Bad Kissingen, Regierungsbezirk Unterfranken) führt
ein kleines und ein großes Stadtwappen. Das Große Stadtwappen
ist geviert mit Herzschild, Feld 1 und 4: in Silber ein schwarzes
durchgehendes Kreuz (Fürstabtei Fulda), Feld 2 und 3: in
rot-blau geteiltem Feld ein Brustbild einer Kaiserin in schwarzer
Gewandung, mit silbernem Schleier, goldener Kaiserkrone und
silbernem Nimbus (Fürststift Kempten, Hildegard als Gründerin),
Herzschild das kleine Stadtwappen, in Gold ein roter
Schrägbalken. Dieser Herzschild wird auch alleine als Kleines
Stadtwappen geführt. Doch das Große Stadtwappen ist nichts
anderes als das Wappen des Fuldaer Fürstabtes Bernhard Gustav Markgraf von Baden-Durlach
(16711677), s.o.! Und durch Weglassen des Hauptschildes
bleibt als Kleines Stadtwappen eben der Stammschild der
Markgrafen von Baden übrig. Das kam nicht durch Zufall, sondern
durch Unkenntnis: Einst war Bad Brückenau ein Besitz des
Klosters Fulda, genau von 777 (Hammelburger Schenkung) bis zur
Säkularisation, einmal abgesehen von einigen kurzen
Unterbrechungen. Nach der Säkularisierung lag der Gedanke an
kirchliche Herrschaft so fern, daß man im Jahr 1818 das besagte
fürstäbtliche Wappen für das Stadtwappen hielt und gedankenlos
übernahm. 1819 gab es eine Wappenrevision, die Elemente des
Hauptschildes, von denen niemand mehr wußte, was sie bedeuteten,
fielen weg, und man hatte das Kleine Stadtwappen geschaffen. Es
folgte eine Lücke der Wappenführung, und ab 1836 griff man
wieder auf das nicht als solches erkannte "badische"
Wappen zurück, und so wird es heute noch geführt. Dabei handelt
es sich in keiner Weise um ein historisches Wappen der Stadt,
sondern nur um die Fortsetzung eines historischen Irrtums, denn
es ist und bleibt das badische Wappen. So erinnert das eigentlich
zu Unrecht geführte Stadtwappen auch heute noch daran, daß hier
einst ein Fürstabt aus dem Hause Baden regierte. Die Stadt
Baden-Baden führt übrigens das gleiche Wappenbild, aber dies
war ja auch schließlich jahrhundertelang markgräfliches
Herrschaftsgebiet.
Literatur:
Siebmachers Wappenbücher,
insbesondere: Die Wappen der Souveräne der deutschen
Bundesstaaten, Souveräne 1.1.1.
Hugo Gerard Ströhl, Deutsche Wappenrolle, Reprint von 1897,
Komet Verlag Köln, ISBN 3-89836-545-X
Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die
deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H.
Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1
Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage
2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
http://de.wikipedia.org/wiki/Stammliste_von_Baden
Wertvolle Hinweise gab Herr
Peter Stammnitz, Idar-Oberstein, wofür ihm an dieser Stelle
herzlich gedankt sei.
Bad Brückenau: http://www.hdbg.de/gemeinden2/bayerns-gemeinden_detail.php?gkz=9672113
Geschichte und Beschreibung des Badischen Wappens, von Franz Zell
http://books.google.de/books?id=eP5BAAAAcAAJ
Weitere Monographien - Zurück zur Übersicht Heraldik
Veröffentlichung der Innenaufnahme aus dem Mortuarium Eichstätt mit freundlicher Erlaubnis des Herrn Domkapitular Manfred Winter, Summus Custos, als Vertreter des Bischöflichen Ordinariats Eichstätt, vom 07.05.2007, wofür ihm an dieser Stelle herzlich gedankt sei.
Veröffentlichung der Innenaufnahme aus der Gernsbacher Liebfrauenkirche mit freundlicher Erlaubnis des Herrn Pfarrer Dr. Marian Rybak, vom 23.11.2007, wofür ihm an dieser Stelle herzlich gedankt sei - www.kath-gernsbach.de
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